Leben und GesellschaftEine Suppe gegen das Vergessen

Aus Heft 11/24

Lesezeit: 14 Min.

Der Autor bei der Zubereitung seiner Suppe. Der ­Geruchssinn ist der einzige, der direkt mit dem Emotions­zentrum des Gehirns verbunden ist, fanden Forscher heraus.
Der Autor bei der Zubereitung seiner Suppe. Der ­Geruchssinn ist der einzige, der direkt mit dem Emotions­zentrum des Gehirns verbunden ist, fanden Forscher heraus. Nikita Teryoshin

Als Kind aß unser Autor am liebsten die Pekingsuppe seines Vaters. Seit dieser vor zehn Jahren starb, hat der Sohn die Suppe nicht mehr gegessen. Nun bereitet er sie zum ersten Mal selbst zu. Was macht das mit seiner Trauer? Und lässt sich die Erinnerung über den Geschmack wiederbeleben?

Von Marvin Ku Fotos: Nikita Teryoshin

Babas Liebe und Angst liegen ausgebreitet vor dir. Die Karotten als Würfel, der Tofu in Streifen, das Ei geschlagen, die Pilze zerrupft. Du benutzt sein altes Chai-Dao-Messer, dieses Riesending, mehr Hackbeil als Kochutensil, mit dem er so präzise schnitt wie mit einem Skalpell. Der Holzgriff ist über die Jahre speckig geworden, die breite Klinge von Flecken gesprenkelt, als hätte eine Schrotflinte draufgeballert. Du hast ein besseres, ein neueres. Aber deine Hände greifen, was seine Hände umgriffen haben, weil du alles genau so machen willst wie er.

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