Es kostet 123 Euro und 34 Cent, um mit einem der Männer zu sprechen, die mich in meiner Jugend beleidigt und getreten haben. 579 Kilometer von meiner Haustür in Berlin bis zu seiner in Köln. Viereinhalb Stunden Fahrt und sechs Stufen, um jetzt unter dem Vordach des weißen Hauses zu stehen, in dem er wohnt. Vor einer Klingel, auf die ich seit fünf Minuten nicht drücken kann. Immer wieder hebe ich den rechten Zeigefinger, sehe meine Hand zittern. Ich denke an die Schulzeit. An die Sätze, die er und andere mir manchmal zugerufen, mir manchmal geschrieben haben: »Du bist hässlich«, »Du stinkst«, »Du bist fett«.
MobbingNachdem sie aufhörten, mich zu hassen, begann ich selbst damit
Aus Heft 2/25
Lesezeit: 18 Min.

Als Schülerin wurde unsere Autorin gemobbt. Bis heute leidet sie darunter und schämt sich sogar. Dann beschließt sie, mit den Tätern von damals zu sprechen.
Von Lea Mohr Fotos von Lena Giovanazzi
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