Ein Garten mit knorrigen Obstbäumen in einem Hinterhof in Köln-Ehrenfeld. Im Boden verlaufen uralte Transportschienen: Das Haus war vor langer Zeit die Klaviermanufaktur von Günter Wallraffs Familie mütterlicherseits. Heute lebt seine Familie im Vorderhaus, er in einem Backsteingemäuer im Garten. Der berühmte Enthüllungsreporter hat sich für seine Recherchen immer wieder monatelang als Gastarbeiter, Waffenhändler, Boulevardreporter, Afrikaner oder Obdachloser ausgegeben – die daraus entstandenen Bücher gehören zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsgeschichte. In den nächsten Stunden wird immer wieder Wallraffs Handy klingeln: Auch mit 81 ist er permanent im Austausch mit Informanten, Hilfesuchenden und Kollegen.
Leben und Gesellschaft»Wenn Unrecht für mich nicht auszuhalten ist, muss ich etwas tun«
Aus Heft 19/24
Lesezeit: 14 Min.

Günter Wallraff ist für seine furchtlosen Recherchen bekannt, ob in Ford-Fabriken, der »Bild«-Redaktion oder in deutschen Altersheimen. Im Interview spricht er über seine traumatischen Erlebnisse im Waisenhaus, den Vorwurf der kulturellen Aneignung und seine Katze Yaiza.
Interview: Jan Stremmel Fotos: Julia Sellmann