Leben und GesellschaftSinn für Homor

Aus Heft 31/12

Lesezeit: 2 Min.

Pressebild

Auch in den USA werden Schwule und Lesben immer noch offen angefeindet. Eine Dummheit, gegen die sie sich wehren – mit originellen Protestplakaten. Wir zeigen Ihnen die besten.

Von: Marc Baumann

D

Der äußerste Flügel der amerikanischen Konservativen liefert sich mit den Schwulen und Lesben im Land einen Krieg der Protestschilder – und die Homosexuellen gewinnen ihn mit Leichtigkeit. Weil Engstirnigkeit eben auch mangelnde Kreativität mit sich bringt. »Gott hasst Schwule«, steht auf den Plakaten, die radikale Christen vor der Westboro Baptist Church in Kansas in die Höhe halten. Wie soll man auf so viel Intoleranz reagieren? Am besten wie der junge Mann, der ebenfalls ein Protestschild malte – auf dem allerdings »Gott hasst Schilder« stand – und sich damit direkt neben die Hassprediger und ihre kleinen Helfer stellte. Und ein anderer ergänzt das feindselige Plakat »Homosex ist Sünde« clever mit einem kleinen Schild, das davorgehalten den Satz ergibt: »Homosex ist Sün…sationell«. Klug gekontert: Das geht auch mit den Bibelzitaten aus dem Alten Testament, etwa dem 3. Buch Mose (Levitikus), die schwulenfeindliche Christen als Beleg neben Sätze wie »Schwule landen in der Hölle« stellen. Die beantwortet man am besten so: »Levitikus schreibt auch vor: ›Schneidet euch nicht die Haare‹. Aber den Teil lassen wir weg, oder?«

Jesus lebte zusammen mit zwölf Männern und einer Prostituierten. Er war mehr wie ich als wie ihr (Gegner der Homoehe).
Jesus lebte zusammen mit zwölf Männern und einer Prostituierten. Er war mehr wie ich als wie ihr (Gegner der Homoehe). Pressebild
Wäre es Ihnen lieber, wenn ich Ihre Tochter heirate? (Statt einen Mann.)
Wäre es Ihnen lieber, wenn ich Ihre Tochter heirate? (Statt einen Mann.) Pressebild
Einer schwul, einer heterosexuell. Wir sind Zwillinge und wollen die gleichen Rechte.
Einer schwul, einer heterosexuell. Wir sind Zwillinge und wollen die gleichen Rechte. Pressebild
Ironie: Vertreter der Polygamie (Anmerkung: wie manche religiösen, schwulenfeindlichen Hardliner), die für die traditionelle Ehe kämpfen.
Ironie: Vertreter der Polygamie (Anmerkung: wie manche religiösen, schwulenfeindlichen Hardliner), die für die traditionelle Ehe kämpfen. Pressebild
Wenn Sie gegen die Homoehe sind, geben Sie Heterosexuellen die Schuld: Die zeugen doch die Kinder, die homosexuell werden.
Wenn Sie gegen die Homoehe sind, geben Sie Heterosexuellen die Schuld: Die zeugen doch die Kinder, die homosexuell werden. Pressebild
Haben wir (Homosexuelle) etwa über euer (heterosexuellen) Ehen abgestimmt?
Haben wir (Homosexuelle) etwa über euer (heterosexuellen) Ehen abgestimmt? Pressebild
Sie sind gegen gleichgeschlechtliche Ehe? Na, dann haben Sie doch keine.
Sie sind gegen gleichgeschlechtliche Ehe? Na, dann haben Sie doch keine. Pressebild
Jesus hatte auch zwei Väter. Und aus ihm wurde ein großartiger Mann.
Jesus hatte auch zwei Väter. Und aus ihm wurde ein großartiger Mann. Pressebild
Die Bibel sagt: Skalverei ist gut. Schwule sind schlecht. Schlangen können sprechen.
Die Bibel sagt: Skalverei ist gut. Schwule sind schlecht. Schlangen können sprechen. Pressebild
Hey, ihr heterosexuellen Kalifornier: Dürfen wir dann jetzt über eure Ehen abstimmen?
Hey, ihr heterosexuellen Kalifornier: Dürfen wir dann jetzt über eure Ehen abstimmen? Pressebild
Mormonen haben meinen Ehering geklaut!
Mormonen haben meinen Ehering geklaut! Pressebild
Gott hasst Schwule (rechts Schild, Homoehe-Gegner). Gott hasst Schilder (linkes Schild, Homoehe-Befüworter)
Gott hasst Schwule (rechts Schild, Homoehe-Gegner). Gott hasst Schilder (linkes Schild, Homoehe-Befüworter) Pressebild
(Drittes Schild von links) Mein Bruder hat die bessere Frisur, aber ich habe mehr Rechte.
(Drittes Schild von links) Mein Bruder hat die bessere Frisur, aber ich habe mehr Rechte. Pressebild

Das Ergebnis ist zum Lachen, aber der Anlass ist ernst: Es gibt noch immer US-Bundesstaaten, in denen Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit nicht sicher sind, in 29 Staaten kann man wegen Homosexualität den Job verlieren, in 34 wegen Transsexualität. Amerika ist zugleich das Land, in dem Gay Pride erfunden wurde (und man in San Francisco nachts am Pizzastand ganz selbstverständlich neben schwulen Männern in Leder-Fetisch-Kleidung mit freiem Po ansteht) – und das Land, in dem 52 Prozent der Kalifornier gegen die Homoehe votiert haben. Es müssen noch so einige kluge Protestschilder geschrieben werden, bis man als Homosexueller auf Pausenhöfen, an Stammtischen oder eben auf Demonstrationen nicht mehr als Schwuchtel oder Schlimmeres beschimpft wird. Immerhin: Wenn im nächsten US-Bundestaat über die Homoehe abgestimmt wird, stehen für die Pro-Demonstranten jede Menge smarte Slogans bereit: »Wenn ich keinen Mann heiraten darf, dann heirate ich deine Tochter. Besser?«, oder »Elizabeth Taylor durfte sieben Männer heiraten, warum darf mein Bruder nicht einen haben?« Die Sprüche lassen sich ganz gut ins Deutsche übersetzen, praktisch, denn beim Christopher Street Day im Juli in Köln störte eine evangelikale Gruppe die Abschlusskundgebung mit wirren schwulenfeindlichen Plakaten (»Wer die Gunst der Schwulen sucht (weil er nicht anders ist) wollte vergessen, warum Gott Sodom untergehen ließ«). Die umstehenden Zuschauer schüttelten den Kopf. Das war zwar nicht komisch, aber eine sinnvolle Reaktion.

Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur Startseite

Mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: