Du merkst, ich bin nervös, sage ich halblaut. Sonntagmittag, ich bin allein, der Friedhof ist leer. Eine Mücke summt in mein Ohr. Vor mir liegt die Steinplatte mit dem Namen meines Stiefvaters Herbert darauf, 1935–2018. Es regnet so stark, dass ich den Schirm aufspannen muss. Ein Bündel frischer roter Rosen liegt auf der Grabplatte, wahrscheinlich von meiner Mutter. Ich gehe zwanzig, dreißig Schritte weg. Komme zurück.
Leben und GesellschaftDer Lebende und die Toten
Aus Heft 44/21
Lesezeit: 11 Min.

Keine Zeit, keine Kraft, keine Lust: Immer hat unser Autor einen Bogen um die Gräber seiner verstorbenen Verwandten gemacht. Dann ging er endlich doch hin – und erlebte Unglaubliches.
Von Marc Schürmann