Draußen, im Gelände, gewinnt sein Blick eine Schärfe, die so durchdringend ist, dass seine Familie einen Namen dafür suchte. Er geht langsam, die Augen auf den Boden geheftet, die Schätze dort sichtend. Wo andere nur Grün sehen, erblickt er Bedecktsamer und Korbblütler, was auf andere wie Kraut wirkt, scheidet er in Stein-, Finger- und Schaumkraut, wenn andere eine Brombeere erkennen, grübelt er, ob es eine grobe, gefurchte, gedrängtblütige oder doch eine dunkeldrüsige oder dünnrispige Brombeere ist. Sein Blick verrät ihn in solchen Momenten. Seine Frau, sein Sohn, seine Tochter wussten dann, dass sie Vater wieder mal verloren hatten. »Meine Familie«, sagt Lenz Meierott, »sagt dann: Jetzt hat er wieder seinen Bodendecker-Blick.«
Flora von Bayern»Mein Garten ist Bayern«
Aus Heft 29/25
Lesezeit: 18 Min.

Seit mehr als fünfzig Jahren katalogisiert Lenz Meierott die Pflanzenwelt seiner Heimat. Nun ist seine »Flora von Bayern« fertig: 14 Kilo schwer, 2880 Seiten stark. Wird er nun aufhören? Pusteblume!
Von Roland Schulz Fotos von Ricardo Wiesinger
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