Leben und GesellschaftAuf eigene Faust

Aus Heft 50/18

Lesezeit: 17 Min.

Unser Autor fuhr dort vorbei, wo sein Sohn Henri zusammengeschlagen worden war – nicht ahnend, dass der Krankenwagen wegen Henri da stand.
Unser Autor fuhr dort vorbei, wo sein Sohn Henri zusammengeschlagen worden war – nicht ahnend, dass der Krankenwagen wegen Henri da stand. Jackson Joyce

Als sein Sohn verprügelt und schwer verletzt wird, macht sich unser Autor auf die Suche nach den Tätern. Eine Geschichte über Rachlust und Vergebung.

Von Philipp Maußhardt Illustrationen: Jackson Joyce

D

Der Anruf aus der Unfallklinik weckt mich, kurz nachdem ich eingeschlafen bin. Mein Handy zeigt 2:15 Uhr, es ist Sonntag, der 18. Juni 2017. Kein gewöhnlicher Sonntag. Meine Mutter feiert heute ihren 90. Geburtstag, es wird ein großes Gartenfest geben, alles ist vorbereitet, das Wetter soll sonnig werden. »Sind Sie der Vater von Henri Maußhardt?« Keine andere Frage hätte mich wacher machen können. Henri ist mein einziger Sohn, 19 Jahre alt, er lebt bei seiner Mutter in Tübingen, 13 Kilometer von mir entfernt. »Er ist bei uns eingeliefert worden, er möchte, dass Sie kommen.«

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