KunstSchrecken der Meere

Aus Heft 39/21

Lesezeit: 1 Min.

Jedes gestrandete Plastikteil erzähle eine Geschichte, sagt Thirza Schaap. 
Jedes gestrandete Plastikteil erzähle eine Geschichte, sagt Thirza Schaap. 
Thirza Schaap

Eine niederländische Künstlerin verwandelt Plastikmüll aus dem Wasser in faszinierende Stillleben.

Artwork und Fotos: Thirza Schaap Text: Jennifer Lichnau

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Thirza Schaap liebt das Meer. In ihrer Kindheit sammelte die niederländische Fotografin Muscheln, Steine und Treibholz. Seit 2015 sammelt sie Plastik. In Südafrika, wo Schaap oft arbeitet, häuft sich an abgelegenen Stränden oft Müll. Geschätzt landen jedes Jahr zwischen fünf und 13 Millionen Tonnen Plastik weltweit im Meer. »Das Meer schluckt alles«, sagt Schaap, deren Bilder wir auf diesen Seiten zeigen. Aber es spuckt es eben auch wieder aus, den Menschen vor die Füße.

Die University of California errechnete 2017, dass seit dem Zweiten Weltkrieg 8,3 Milliarden Tonnen Plastik hergestellt wurden. Und es ist überall. Voriges Jahr entdeckten britische Forscher eine Plastikfaser in einer zuvor unbekannten Art des Flohkrebses. Der winzige Tiefsee-Krebs, gefunden 6500 Meter unter dem Meeresspiegel, trägt jetzt den Namen seines Mageninhalts: Eurythenes plasticus. Ein Cuvier-Schnabelwal, der 2019 an einer philippinischen Küste strandete, hatte vierzig Kilo Plastik im Magen.

Je öfter Schaap die angespülten Einwegflaschen, Kunststoffsplitter und Fetzen aus Plastiktüten aufklaubte, desto mehr beeindruckten sie die Farben und Formen mancher Teile. Sie fing an, den Müll mit nach Hause zu nehmen; inzwischen füllt er einen ganzen Schuppen. Schaap formt ihn zu bunten Plastiken. Aus Tütenfetzen, drapiert an Ästen, werden Blüten. Alte Plastikflaschen verwandeln sich in Vasen. Vor meist pastellfarbenen Leinwänden fotografiert Schaap diese Stillleben. Einzelne ihrer Fotos verkauft sie für jeweils rund 300 Euro. Es sind wunderschöne Motive. Und ganz und gar furchterregende.

Artwork und Fotos aus der Serie Plastic Ocean: courtesy of Thirza Schaap und Bildhalle Zürich + Amsterdam

Wie lange der Müll jeweils im Meer trieb, lässt sich nur erahnen. 
Wie lange der Müll jeweils im Meer trieb, lässt sich nur erahnen. 
Thirza Schaap
In dem Stillleben  Red Carpet Moment  setzt die Künstlerin Plastikkanister in Szene.
In dem Stillleben Red Carpet Moment setzt die Künstlerin Plastikkanister in Szene.
Thirza Schaap
Je nach Wetter, sagt Schaap, spüle das Meer verschiedenes Plastik an. 
Je nach Wetter, sagt Schaap, spüle das Meer verschiedenes Plastik an. 
Thirza Schaap
Fast immer zu finden seien Einwegflaschen. Deren Böden erinnern die Künstlerin an Blüten. 
Fast immer zu finden seien Einwegflaschen. Deren Böden erinnern die Künstlerin an Blüten. 
Thirza Schaap
Sie hat sie zusammengebunden, beschwert und als  Waterlilies  wieder zu Wasser gelassen.
Sie hat sie zusammengebunden, beschwert und als Waterlilies wieder zu Wasser gelassen.
Thirza Schaap
Thirza Schaap nutzt die Anziehungskraft der Farben, um die ­Menschen, die ihre Werke betrachten, zu täuschen... 
Thirza Schaap nutzt die Anziehungskraft der Farben, um die ­Menschen, die ihre Werke betrachten, zu täuschen... 
Thirza Schaap
... für einen Augenblick ist da eine Lotusblüte, sind da bunte Statuen 
... für einen Augenblick ist da eine Lotusblüte, sind da bunte Statuen 
Thirza Schaap
– und erst dann sieht man den Müll.
– und erst dann sieht man den Müll.
Thirza Schaap
Thirza Schaap

weiß, wie schwer es ist, Plastik zu vermeiden. Als neulich der Ventilator in ihrem Studio in Südafrika kaputtging, wollte sie ihn reparieren lassen, statt einen neuen zu kaufen. Eine Werkstatt zu finden, war vertrackt. Am Ende war sie einen halben Tag mit dem Zug unterwegs. Aber immerhin, der Ventilator funktioniert wieder.

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