VideokunstDer flimmernde Zauber des Unperfekten

Aus Heft 11/25

Lesezeit: 11 Min.

Die fertigen Geräte aus ihrer Werkstatt stehen in aller Welt, hier in der Sammlung Falckenberg in Hamburg.
Die fertigen Geräte aus ihrer Werkstatt stehen in aller Welt, hier in der Sammlung Falckenberg in Hamburg. Jon Kessler, The Palace at 4 A.M., 2005/06, Mixed Media, Courtesy of the Artist, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

Eigentlich gilt die Bildröhre seit 20 Jahren als tot. Dennoch läuft Christian Draheims Reparaturbetrieb so gut wie nie. Denn die Kunstwelt braucht Röhrenfernseher für Videoinstallationen. Und er ist einer der letzten, der weiß, wie man sie instand setzt.

Von Marvin Ku Fotos von Heinrich Holtgreve

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Das Feuer verrät ihm das Geheimnis. Der Schein der Flamme taucht Christian Draheims Brille in ein sattes Gelb. Eigentlich sollte sie blau und klar leuchten, dann weiß er, dass er sie richtig eingestellt hat. Vermutlich liegt es daran, dass mehr Menschen mit ihrer Atemluft im Raum sind, sagt er und dreht an einem Ventil, um die Flamme anzupassen. Er sitzt sonst allein in der Dunkelheit und studiert die Flammen des Gasbrenners, die am rot glühenden Glas lecken. Nun aber assistieren ihm sein Sohn und sein Kollege. Draheim arbeitet gerade an einer defekten Bildröhre, die auf einem Ständer steht. Das dicke Glas zeigt nach oben und verjüngt sich unten zu einem dünnen Glashals. Den hat Draheim eben durchtrennt, um ein altes Teil darin auszutauschen: ein Strahlsystem. Das sorgt dafür, dass auf dem Bildschirm ein Bild entsteht. Nun schmilzt er den Rest des Glashalses wieder an. Beide Teile des Glashalses müssen in gleicher Temperatur erhitzt werden, sonst springt das Glas, und die Arbeit ist zunichte. »Glas ist immer fließend, es verändert sich. Wie sehr zähes Wasser«, sagt er und führt die beiden Hälften langsam zusammen. Bis er plötzlich sagt: »So, können wir mal Licht haben, bitte?« Sein Sohn schaltet es ein, Draheim hält einen fertigen Glashals triumphierend daneben und vergleicht die Nähte: »Die ist toll geworden. Und das nur mit Augenmaß! Das macht die Erfahrung!«

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