Kunst»Leere Utopie«

Aus Heft 46/15

Lesezeit: 1 Min.

Mohamed Bourouissa wurde 1978 in Algerien geboren, heute lebt und arbeitet er in Paris. Im Zentrum seiner Fotografien und Videos stehen Menschen, die sich sozial, kulturell und wirtschaftlich an den Rändern der Gesellschaft bewegen. Bourouissas Arbeit  Temps Mort  (2009) etwa dokumentiert den SMS-Austausch zwischen ihm und einem Gefängnisinsassen, den Bourouissa per Handy aufforderte, Fotos und Videos aus seiner Umgebung zu schicken.
Mohamed Bourouissa wurde 1978 in Algerien geboren, heute lebt und arbeitet er in Paris. Im Zentrum seiner Fotografien und Videos stehen Menschen, die sich sozial, kulturell und wirtschaftlich an den Rändern der Gesellschaft bewegen. Bourouissas Arbeit Temps Mort (2009) etwa dokumentiert den SMS-Austausch zwischen ihm und einem Gefängnisinsassen, den Bourouissa per Handy aufforderte, Fotos und Videos aus seiner Umgebung zu schicken. Pressebild

Mohamed Bourouissa wurde 1978 in Algerien geboren, heute lebt und arbeitet er in Paris. Im Zentrum seiner Arbeiten stehen Menschen, die sich an den Rändern der Gesellschaft bewegen.

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SZ-Magazin: Was war Ihr erster Gedanke, als wir Sie einluden, bei unserer Edition 46 mitzumachen?
Mohamed Bourouissa: Mein erster Gedanke war: Warum haben Sie mich als Repräsentant Algeriens ausgewählt? Ich bin in Algerien geboren, lebe und arbeite inzwischen aber vor allem in Frankreich.

Wir haben die Künstler nach ihrer Herkunft und ihrer Nationalität ausgesucht. Nicht danach, wo sie inzwischen leben.
Das dachte ich mir dann auch. Im Laufe unserer Gespräche habe ich immer besser verstanden, dass es in Ihrer Kunstausgabe um die Durchlässigkeit und den Austausch zwischen Ländern und kulturellen Räumen geht – und um die Dekonstruktion dieser Räume, die ja eng mit dem Postkolonialismus verbunden ist.

Ihre Arbeit besteht aus Fotos von einer Baustelle und einem architektonischen Grundriss. Geht es um den Bau eines Hauses?
Genau. Es geht um den Bau eines Hauses und um Utopien. Unsere Utopien zielen ja oft gar nicht mehr auf die Zukunft, sondern bestehen in einer Rückkehr zur Tradition. Viele Migranten aus Afrika, die seit Jahrzehnten in Frankreich oder sonst wo in Europa leben, träumen davon, im Alter in ihre Heimat zurückzukehren. Also bauen sie kleine Häuser in den Orten, an denen sie ihre Kindheit verbracht haben – nur um irgendwann festzustellen, dass es gar nicht so einfach ist mit der Rückkehr. Ihre Kinder sind in Frankreich aufgewachsen und wollen nicht nach Algerien. Und auch sie selbst haben sich verändert. Am Ende stehen viele dieser Häuschen leer, bewohnt werden sie nur in der Fantasie des Bauherrn.

Wem gehört das Haus auf den Fotos?
Ich kenne die Leute ganz gut. Sie leben in Paris und haben es bis heute nicht geschafft, nach Algerien zurückzukehren. Sie reisen eher hin und her. Das Haus steht tatsächlich die meiste Zeit leer.

Fotos/Material: Courtesy of the artist mennour gallery; Porträtfoto: Fabrice Seixas

Porträtfoto: Fabrice Seixas

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