»Ich empfinde mich nicht als beeinträchtigt«, sagt er. Tatsächlich könne er manche Dinge sogar besser als andere: Wenn er etwa eine Melodie höre, erinnere er sich gleichzeitig an den Moment, als er sie zum ersten Mal in seinem Leben gehört hat, ja sogar daran, wie es ihm dabei ging, ob er glücklich oder traurig und ob der Himmel bedeckt oder wolkenlos war. Julius Bockelt, 54, war schon als Junge fasziniert von Tönen, Schwingungen und Wolkenformationen, heute richtet er fast sein ganzes Leben danach aus. Ihn interessieren flüchtige Phänomene, sein Thema ist Vergänglichkeit. In filigranen Zeichnungen, Fotografien und Performances lotet er die Grenzen der Wahrnehmung aus, manipuliert Rechner und Instrumente, erzwingt Abstürze, kreiert Schönheit. Seine Zeichnungen sind seit 2021 in der Sammlung des Centre Pompidou in Paris vertreten. Er wirkt, als wäre er permanent auf der Suche.
KunstJulius Bockelt
Aus Heft 46/22
Lesezeit: 8 Min.

o. T.
Tusche auf Papier
24 x 31 cm
2022 Foto: Axel Schneider
Hier sehen Sie das Kunstwerk, das Julius Bockelt für die Edition 46 des SZ-Magazins geschaffen hat.
Interview: Tobias Haberl Fotos: Matthias Ziegler