»Deshalb habe ich mit Frauenrollen manchmal ein Problem«

»Ich werde meistens als Frau gelesen und wurde auch so erzogen, aber ich wusste immer, dass ich das nicht bin, und habe auch als Kind gesagt: Ich bin kein Mädchen. Ich fühle mich heute als androgyner, nicht-binärer Mensch, der mehr Mann als Frau ist – aber beides. Als ich mich an der Schauspielschule bewarb, war ich noch nicht als nicht-binär geoutet, wurde dort als Frau wahrgenommen und hörte ständig: Such deine weibliche Energie! Ich weiß bis heute nicht, was weibliche Energie ist, aber zufriedenstellen konnte ich, indem ich meinen Gang veränderte, Röcke trug, meine Stimme verstellte. Deshalb habe ich mit Frauenrollen manchmal ein Problem: Ich finde, dass da eine einseitige Vorstellung von weiblicher Performance verlangt wird. Ich habe das Gefühl, da muss ich in erster Linie ein Geschlecht spielen. Doch mich reizen die Charakterzüge und Konflikte einer Figur, und danach suche ich Rollen aus. So würde ich mir wünschen, dass Rollen auch vergeben werden. Nach den Fragen: Wer passt für den Konflikt? Wer hat die Kraft und Ausstrahlung? Nicht nach Geschlecht. Ich spiele gern Frauenrollen, auch als nicht-binärer Mensch, aber ich wäre glücklich, wenn ich mal als Mann oder nicht-binäre Person besetzt würde.«
