An einem langen Tisch in der Kantine der Georg-Leber-Kaserne sitzt die gesamte jüngere Bundeswehrgeschichte zusammen und schaufelt Linseneintopf mit Wienern. Ein gutes Dutzend Männer, sie alle tragen schwarze Trainingsanzüge und sprechen einander mit Spitznamen von früher an: Rücki, Vocko, Speedy. Namen aus dem Krieg. Und sie sagen sich Worte, die beschreiben, was er aus ihnen gemacht hat: Du Psycho. Du Kaputter. Du Kloppi. Auf zwei Bildschirmen über ihnen laufen die Aufnahmen vom Vormittag dieses 24. Februar 2022: der Bundeskanzler, der den Deutschen das Ende der »Friedensordnung unseres Kontinents« erklärt. Die Bildschirme sind stummgeschaltet. Keiner der Männer beachtet sie. Sie albern herum, sind herzlich miteinander, fast sanft, einer legt den Kopf auf die Schulter des anderen. Viele Menschen in Deutschland erschreckt es, dass an diesem Tag am Rande Europas ein Krieg beginnt. Im Inneren dieser Männer hat der Krieg eh nie aufgehört.
KriegDie Kämpfe nach dem Kämpfen
Aus Heft 35/23
Lesezeit: 13 Min.

Viele Soldaten kehren aus ihren Einsätzen verwundet zurück – an Körper oder Seele. Für sie wurden die »Invictus Games« erfunden, ein Sportwettbewerb für Veteranen. Auch die Bundeswehr ist vertreten – und erhofft sich davon weit mehr als nur Medaillen.
Von Niclas Seydack Fotos: Jann Höfer und Daniel Delang
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