KosmosDer Lauf der Welt

Aus Heft 51/20
Gut zu Fuß: Stiefel von Salvatore Ferragamo.
Gut zu Fuß: Stiefel von Salvatore Ferragamo. Foto: Sebastian Lager

Wenn jemand »einen Stiefel zusammenredet«, so ist das meistens kein Lob. Was es mit diesem Ausspruch und anderen vermeintlich Schuh-orientierten Beschimpfungen auf sich hat.

Von Max Scharnigg

Wenn jemand »einen Stiefel zusammenredet«, so ist das meistens kein Lob. Gleiches gilt für »einen Stiefel fahren« oder »einen Stiefel rechnen«. Was hat der Schuh eigentlich verbrochen? Gar nichts, denn die Beschimpfungen gelten Michael Stifel, der vor etwa 500 Jahren zwischen Esslingen und Wittenberg als Pfarrer und Mathematiker unterwegs war. Diese beiden Disziplinen gingen schon damals eher schlecht zusammen, was Stifel bald einsehen musste. Zu Beginn seiner Karriere verlegte er sich darauf, versteckte Zahlencodes in der Bibel zu entschlüsseln. Er errechnete, dass die Welt am 19. Oktober 1533 untergehen werde, und zwar um acht. Er schrieb darüber ein Traktat, mit dem Erfolg, dass die ­Bauern seiner Gemeinde aufhörten zu arbeiten und er selbst kurz vor dem Weltende seine Bücher verschenkte. Bekanntlich hatte er sich aber irgendwo verrechnet. Stifel wurde danach verhaftet, die Bauern hatten nix zu essen, und seither redet einer manchmal »einen Stiefel« zusammen.

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