Wenn ich als kleines Mädchen gewusst hätte, wie nah ich Sissi kommen würde, wäre ich ausgeflippt. Zweieinhalb Stunden Fahrt durchs Bergpanorama, dann öffnet sich vor mir eine Glastür – und ich sehe die Kutsche aus den Filmen. Da, auf diesem Polster, saßen einst die hochsteckfrisierte Romy Schneider und der goldverzierte Karlheinz Böhm. Das Hotel »Grand Elisabeth« hat die Requisite für 106 505 Euro auf einer Versteigerung erworben. Das ganze Haus ist eine Hommage an die Kaiserin und dabei viel unverkitschter als das Filmvorbild, eher Erwachsenen- als Mädchentraum.

Das Hotel wurde 2025 in Bad Ischl eröffnet, einst das geliebte Sommerzuhause des Kaiserpaars. Die herrschaftliche Seite: der Samt am Kopfteil der Betten und im Restaurant »Grande Liberté«. Die sich verbeugende Höflichkeit der Kellner und das Steak, von dem mein Partner bis heute schwärmt. Die Gesichtsbehandlung mit Schokolade von der Konditorei Zauner, deren Kaiserstollen Franz Joseph so gern aß. Aber Elisabeth war in Wirklichkeit nie eine Märchenprinzessin, sondern tragisch, rebellisch – und ihrer Zeit voraus. Das spiegelt sich auch im »Grand Elisabeth«: Die geflieste Bar, an der es sogar alkoholfreien Negroni gibt, könnte so in jeder Großstadt stehen. Der Wellnessbereich ist modern ausgestattet – mit Aufgusskelle statt eines herzlosen Knopfes in der finnischen Sauna. Und im Pool durfte mein Kind planschen. Obwohl es ganz schön fein zugeht in Bad Ischl, ist Spaß hier ausdrücklich erwünscht. Das hätte Sissi gefallen.
Grand Elisabeth
Tänzlgasse 6
4820 Bad Ischl
Tel. 0043/6132/307 77
Doppelzimmer ab 180 Euro/Nacht mit Frühstück
grand-elisabeth.at
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