Wände aus Sichtbeton, nur unterbrochen von Stahlträgern und Glas: So rau ist der Empfang im Brüsseler Hotel »Jam«. Das schroffe Gebäude ist aber ein gelungenes Beispiel für Umnutzung. Wie viele Betonklötze in Brüssel stammt es aus den Siebzigern, Brutalismus nennt man diesen Architekturstil. Früher beherbergte es eine Hochschule für Architektur. Seit 2016 ist es ein Hotel, kürzlich wurde noch mal renoviert. Der Kunstschulen-Flair blieb jedoch erhalten. In den Fluren liegen Teppiche in Mondrian-Farben, es gibt aus Röhren zusammengebastelte Deckenleuchter sowie Schallschutzelemente, die an Winkelmesser erinnern. Aus den Klassenräumen sind 80 Zimmer geworden, vom kleinen Doppel- bis zum Mehrbettzimmer für sechs Personen. Patchworkdecken und -kissen aus recycelten Stoffen liegen auf den Betten. Die Kleiderbügel hängen an Metallrohren. In vielen Zimmern ersetzt ein hölzernes Fensterbrett den Schreibtisch. Gleichermaßen pragmatisch und schön, denn viele Fenster haben Klassenzimmergröße. So lässt sich am mehrere Meter langen Fenstersims das Geschehen auf der Straße beobachten.

An warmen Tagen kann man den Pool auf der unteren von zwei Dachterrassen genießen. Zum Bahnenschwimmen taugt er nicht, dafür ist er ausgesprochen fotogen. Von der oberen Terrasse hat man einen fantastischen Blick über die Stadt. Zum Aufwärmen im Winter gibt es im Untergeschoss ein Atsukan, ein Badehaus im Japan-Stil. Wer mag, schlürft beim Bad im Holzzuber Tee oder Sake. Maximal gemütlich.
Jam Hotel
Chaussée de Charleroi 132
1060 Brüssel
Belgien
Tel. 0032/2/537 17 87
Doppelzimmer ab 74 Euro/Nacht.
jamhotels.eu/brussels
Weitere »Hotel Europa«-Empfehlungen der Redaktion finden Sie unter sz-magazin.de/hoteleuropa. In manchen Fällen folgt eine Besprechung auf Einladung des jeweiligen Hotels. Die Bewertung der Redaktion ist davon grundsätzlich unabhängig.
