"Hit, Hit, Hurra: Chartskolumne"Ein Gangsta-Rapper aus der Boazn

Lesezeit: 1 Min.

Comedian »Harry G« hat einen Rap-Song veröffentlicht: Als »Boazn-Kini« grantelt er in einer Giesinger Eckkneipe. Wir haben mit ihm über bayerischen Rap und die Reaktionen auf sein virales Video gesprochen.

Von: Jan Stremmel

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SZ-Magazin: Gratuliere, Ihren Song »Boazn-Kini« haben sich heute innerhalb einer Stunde fast 200.000 Leute angehört. Haben Sie da vielleicht einen Nerv getroffen?
Harry G: Ich glaube eher, es gibt grad sehr wenig Rap aus München. Und Münchner Gangsta-Rap gab’s sowieso noch nie. Da füllt der Boazn-Kini natürlich eine große Lücke.

Ist die Giesinger Eckkneipe der einzig glaubhafte Ort für Münchner Gangsta-Rap?
Welcher denn sonst? Das ist ja das Problem, das bayerische Rapper grundsätzlich haben: Worüber rappen? Es gibt hier eigentlich kein echtes Problem. Deshalb klingt bayerischer Hip-Hop immer wie eine Persiflage, auch wenn er ernst gemeint ist. Es geht immer nur ums Trinken und Ausgehen.

Der Boazn-Kini ist dagegen ganz schön schlecht gelaunt.
Klar, das ist jemand, der sein Territorium gegen Yuppies verteidigen muss. Ich habe überlegt, wie man Gangsta-Rap auf Bayerisch übersetzen und dabei möglichst ernstnehmen kann. Da bin ich bei dieser Kunstfigur gelandet, die jeden Tag an ihrem Tresen sitzt, grantelt und auch gerne mal zulangt.

Warum passt Giesing da so gut?
Es ist ein rundum ehrliches Arbeiterviertel, das wie viele andere darunter leidet, dass es brutal gentrifiziert wird. Die Boazn-Kultur leidet darunter ganz besonders. Es gibt ja leider immer weniger Perlen wie die »Bar No.1 Bistro« aus dem Video, wo die Decke so kunstvoll mit Folie abgehängt ist und tatsächlich jeden Tag die gleichen Leute hocken.

Begrüßt man neue Gäste dort so freundlich wie im Video?
Nein, grundsätzlich reagiert man in Boazn sowieso auf fast alles mit einem typisch bayerischen: »Wurscht«.

Echte Rapper reagieren auf Comedy-Rap dagegen eher humorlos, Stichwort »Pol1z1stens0hn« - wie viele Hassmails haben Sie heute schon bekommen?
Ach, natürlich fühlen sich irgendwelche Leute jetzt wieder auf den Schlips getreten. Manche sagen, es gäbe viel bessere bayerische Rapper als mich. Aber erstens ist das ja keine Verarschung, ich schätze Hip-Hop sehr. Und zweitens gehört der Beef halt nun mal zum Rap dazu. Und drittens würd’ ich persönlich mich mit dem Boazn-Kini und seiner Gang auch lieber nicht anlegen.

Erinnert an: Aufkleber der TSV-1860-Ultras auf Münchner Pissoirs.
Wer kauft das? Niemand (Download ist umsonst), aber teilen tut es offenbar heute jeder Münchner mindestens einmal.
Was dem Song gut tun würde: Zwecks Multiplikation der Hörerzahl: Untertitel auf Hochdeutsch

Foto: Screenshot

Illustration: Grafilu

Auf welches Lied können sich gerade alle einigen? Warum? Und was ist das Besondere daran? In dieser Kolumne besprechen Jan Stremmel und Max Fellmann jede Woche die Hits der aktuellen Single-Charts. Jan Stremmel ist von Hitparaden fasziniert, seit er sie als Kind im Autoradio seiner Eltern hörte: immer Freitagabend auf der Heimfahrt vom Judo-Training. Für Platz drei bis eins blieb er häufig noch eine Viertelstunde im geparkten Auto sitzen.

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