»Mein Sohn, neun Jahre alt, sagte gestern zu mir: Ich habe ein Problem. Ich bin bei zwei Geburtstagen eingeladen. Sie finden am selben Tag zur selben Uhrzeit am selben Ort statt (Bowlingcenter). Und die beiden Geburtstagskinder können sich gegenseitig nicht ausstehen. Was mache ich jetzt?« Anonym, München
Gehen wir einmal alle Möglichkeiten durch. Möglichkeit 1: Ihr Sohn sagt nur bei dem Geburtstag zu, bei dem er zuerst eingeladen wurde. Dem zweiten Feiernden sagt er, dass er leider nicht kann, weil er da schon zu einem Geburtstag eingeladen ist. Die unangenehme Nachricht, dass er dennoch vor Ort sein wird, wenn auch in anderer Runde, überbringt er nicht. Möglichkeit 2: Ihr Sohn sagt dem zweiten Einladenden die Wahrheit. Er sei da schon zu einem Geburtstag eingeladen, und irrerweise finde der zur selben Zeit am selben Ort statt. Daraufhin wird das betreffende Geburtstagskind mutmaßlich fragen, wer einlädt, und so alles erfahren. Es kann dann entscheiden, ob es die ganze Feier noch mal umdisponieren (lassen) möchte, woraufhin Ihr Sohn entscheiden muss, zu welchem Geburtstag er geht, wobei sich anbietet, dem Ersteinladenden den Vorzug zu geben (es werden ja nicht beide auch noch auf die Minute genau gleichzeitig eingeladen haben).
Möglichkeit 3: Ihr Sohn ist genauso überfordert wie Sie und sagt bei beiden Veranstaltungen unter einem vorgeschobenen Vorwand ab, den Sie beide sich zusammen ausdenken, so lernt er auch etwas fürs spätere Leben. Möglichkeit 4: Ihr Sohn sagt bei beiden Feiern freudig zu und sieht der sich anbahnenden sozialen Katastrophe gelassen entgegen, da er ja nicht ursächlich beteiligt ist, sondern nur ein Gast, der vorhatte, zwischen Partygruppe 1 und Partygruppe 2 hin- und herzuwechseln (denn wenn man schon mal gleichzeitig zu zwei Feiern eingeladen ist: wie praktisch, dass die am selben Ort stattfinden!). Ich tendiere sehr stark zu Möglichkeit 2, weil sie beiden Geburtstagskindern die Gelegenheit gibt, ihren Geburtstag – und wir müssen bedenken, es ist erst der neunte, diesem Tag kommt also noch eine immense Bedeutung bei – so zu gestalten, dass es für sie angenehm ist.

Johanna Adorján
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