Gute Frage an Johanna AdorjánLieber mal einen Gang runterschalten

Aus Heft 9/26

Lesezeit: 2 Min.

Illustration: Serge Bloch

Ein Dorfbewohner parkt sein Auto strategisch, um Raser auszubremsen. Unser Leser findet das gefährlich, sein Schwiegervater clever. Die Einschätzung unserer Kolumnistin ist gefragt.

Von Johanna Adorján

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»Meine Schwiegereltern wohnen in einem Dorf, durch das eine Landstraße verläuft, auf der man 50 km/h fahren darf. Kurz vor dem Ortsausgang steht ein Bauernhof. Der dortige Bewohner ärgert sich, weil einige Fahrer bereits beschleunigen, sobald sie das Ortsende-Schild sehen. Er parkt deshalb eines seiner Autos auf der Straße vor seinem Grundstück. Das zwingt die Fahrer, abrupt abzubremsen, stehenzubleiben, wenn Gegenverkehr kommt, oder dem unbeleuchteten Hindernis auszuweichen. Ich empfinde dies als unangebrachte Erziehungsmaßnahme, die zudem Unfallrisiken birgt. Mein Schwiegervater findet es richtig, er verweist auf die Straßenverkehrsordnung, die das Parken in geschlossenen Ortschaften erlaubt, und pocht auf die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit. Wie beurteilen Sie das?« Andreas K., München

Verzeihen Sie bitte, aber mir ist nicht ganz klar, was Sie von mir wollen. Soll ich Ihnen Recht geben und dafür plädieren, dass man ja wohl durch Dörfer brettern kann und Geschwindigkeitsbegrenzungen ignorieren? Selbst wenn ich jemand wäre, der rasend gern durch Dörfer brettert und dabei Verkehrsvorschriften ignoriert, was wäre denn das für eine unangenehme Haltung? Mir gefällt die Idee des Anwohners, mit seinem parkenden Auto für mehr Sicherheit in seinem Dorf zu sorgen und zugleich übrigens auch für etwas weniger ausgestoßene Schadstoffe. Sie kennen bestimmt auch Untersuchungen darüber, wie positiv verkehrsberuhigte Zonen sich auf die Luftqualität auswirken. Ich teile auch nicht Ihre Ansicht, dass dieses parkende Auto andere zum abrupten Abbremsen zwingt. Wären sie gleichbleibend moderat schnell gefahren (50 ist ja übrigens auch nicht 30), hätten sie das stehende Auto früh genug gesehen, um überhaupt nicht abrupt handeln zu müssen. Ich sehe in dem Parken des Anwohners auch keine Erziehungsmaßnahme, genauso wenig wie ein Zaun um ein Privatgrundstück herum eine Erziehungsmaßnahme ist. Er parkt halt da. Und innerhalb einer geschlossenen Ortschaft muss von Durchfahrenden damit gerechnet werden, dass sie gegebenenfalls auf irgendetwas werden reagieren müssen, und sei es auf Gegenverkehr. Manchmal wohnen in einem Dorf auch Kinder, oder es gibt Katzen oder schlaue Füchse, auf die man ein Auge haben sollte. Und schließlich führt Rasen eher zu Unfällen als Nicht-Rasen, insofern ist es vielleicht gerade gut, wenn dem Ortsende-Schild sein beschleunigender Sog, den wir alle kennen, genommen wird.

Ich muss Sie also leider enttäuschen, indem ich mich Ihrem Schwiegervater argumentativ anschließe. Eine winzige Rückfrage hätte ich aber noch: Wenn Sie nicht einmal in diesem Ort wohnen, woher nehmen Sie die Energie, sich da so sehr zu engagieren?

Illustration: Grafilu

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