»Meine Partnerin und ich fuhren S-Bahn. Die Bahn war ziemlich voll, neben einer etwa 30-jährigen Dame mit Migrationshintergrund waren noch Plätze frei. Als wir uns setzten, klingelte ihr Handy. Sie begann das Gespräch laut mit den Worten: ›Ein hässlicher Deutscher mit schiefen Zähnen hat sich gerade zu mir gesetzt!‹ Ich bat sie höflich, diese Beleidigungen zu unterlassen, doch das Telefongespräch ging mit Beleidigungen weiter. Daraufhin erzeugte ich mit einem Gerhard-Polt-Youtube-Video Gegenlautstärke und drehte mein Handy zu ihr. Sie sprang auf und schrie: ›Der Mann hat mir unter den Rock fotografiert!‹ (Was ich natürlich nicht getan hatte, denn wer wäre so blöd, neben seiner Partnerin in einer vollen S-Bahn mit Über-wachungskameras so etwas zu tun?) Jugendliche forderten mich auf, mein Handy zu zeigen. Die Dame drohte, die Polizei zu rufen, falls ich das Foto nicht löschen würde. Um die Sache zu deeskalieren, stiegen wir an der nächsten Station aus. Wie hätte ich mich verhalten sollen?« Franz L., Ismaning
In Ihrer Frage steckt sehr viel drin. Und man müsste wohl mit in der S-Bahn gewesen sein, um Ihnen hier etwas Weiterführendes sagen zu können. Denn wir müssen damit Vorlieb nehmen, was Sie uns darüber berichten, und es gibt eine leichte Unsicherheit, ob Sie ein zuverlässiger Erzähler sind. Denn wo Sie eigens den Migrationshintergrund der Dame erwähnen, obwohl dieser ja nichts zur Sache tut, drängt sich die Frage auf, nach welchem Gerhard-Polt-Video Sie denn griffen, um, wie Sie sagen, Gegenlautstärke zu erzeugen. Haben Sie mit dem Inhalt vielleicht Ihr Gegenüber absichtlich provoziert? Das würde natürlich nicht entschuldigen, wie unverschämt die Frau Sie zuvor angegangen war. Aber war deren Unverschämtheit, und verzeihen Sie die Frage, nicht ganz vielleicht etwas vorausgegangen, das Sie hier verschweigen? Und wissen Sie, was noch stutzig macht: Ihre Begründung, warum Sie der Frau nicht unter den Rock gefilmt hätten. Partnerin neben sich, volle S-Bahn, Kameras. Das sollten doch aber, verehrter Herr, nicht die Gründe dafür sein, einer Frau nicht unter den Rock zu filmen. Es mag alles ganz harmlos sein, und am Ende war es wirklich genau so, wie Sie es schildern: Eine grauenhafte Furie beleidigte Sie grundlos und hetzte Ihnen dann auch noch fast die Polizei auf den Hals.
Wie war noch mal Ihre Frage: Wie Sie sich hätten verhalten sollen? Na, in diesem Fall brach das Unglück ja über Sie hinein, ohne dass Sie etwas dafür konnten. Eventuell sollten Sie bei einem, Gott bewahre, nächsten Mal eher zu einem Biene-Maja-Video greifen, das wäre bestimmt deeskalierender als Polt. Eine große Frage allerdings bleibt: Warum Sie das Gefühl umtreibt, eventuell falsch gehandelt zu haben. Meine Vermutung: Was immer Ihre Partnerin Ihnen zu diesem Vorfall gesagt hat, bevor Sie beschlossen, hierher zu schreiben – sie hat recht!

Johanna Adorján
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