Gute Frage an Johanna AdorjánHundsmiserable Tischmanieren

Aus Heft 12/26

Lesezeit: 2 Min.

Illustration: Serge Bloch

Unsere Leserin ärgert sich: Ihre Stieftochter bereitet das Hundefutter in ihrer Küche zu – und zwar während des Kochens. Ist das nur unappetitlich oder ein echtes Hygieneproblem?

Von Johanna Adorján

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»Der Cockerspaniel meiner Stieftochter und ihres Freundes ist ein lieber, ruhiger Hund. Sie kommen häufig am Wochenende mit ihm zu Besuch, zum Essen und danach zum Brettspielen. Eine schöne Tradition. Mich stört nur, dass der Hund jedes Mal vor unserem Abendessen seine Mahlzeit erhält, in direkter Nähe des Esstisches. Meistens wird dieses Fressen in unserer Küche zu­bereitet, und zwar während des Kochens, mit unseren Utensilien (Löffel etc.). Das finde ich unappetitlich, das habe ich auch gesagt. Genützt hat es nicht. Bei einem Welpen ver­stehe ich, dass er häufiger und auswärts gefüttert werden muss, aber bei einem ausgewachsenen Hund? Warum geschieht es nicht vorher bei ihnen zu Hause, keine zehn Minuten entfernt? Bin ich zu streng oder zu spießig?« Barbara W., München

Ich habe über Ihre Fragen mit der Tierärztin Cornelia Maul gesprochen. Sie hat viele Jahre lang zusammen mit einer Kollegin eine Tierarztpraxis am Deutschen Museum in München geleitet. Seit 2024 ist sie im Ruhestand, sie hat selbst zwei Hunde, es sind Hund Nummer sieben und acht in ihrem Leben. Sie sagt, Ihre Bedenken seien nicht unberechtigt. Es gebe Studien, die nachgewiesen hätten, dass Hundefutter mit Keimen kontaminiert sein könne, auch solchen, die für Menschen gefährlich wären. Vor allem natürlich, wenn es rohes Fleisch ist, aber auch in Dosen- und sogar, wenn auch seltener, Trockenfutter. Es ist demnach tatsächlich nicht optimal, mit Hundefutter zu hantieren, während man daneben kocht. Auf der anderen Seite, meint sie, könne man sich solche Keime im Grunde überall holen, auch ohne Kontakt zu Hunden oder deren Futter. Man müsse die Gefahr also auch nicht überbewerten: Hygienemaßnahmen wie die Hände zu waschen und Gegenstände entsprechend zu reinigen gelten immer und überall. Was Ihre Küchenutensilien angeht, müssen Sie sich hingegen keine Sorgen machen. Die Spülmaschine tötet ab 60 Grad alle Keime ab.

Zu Ihrer Frage, warum der Hund nicht einfach vorher gefüttert werden kann: Es gebe Hunde, sagt Cornelia Maul, die an bestimmte Essensrituale gewöhnt seien. Möglicherweise sei dieser Cockerspaniel darauf konditioniert, immer während des Kochens sein Fressen zu kriegen. Bleibe das aus, könne so ein Tier mit absoluter Fassungslosigkeit reagieren. »Diese Blicke, die dann kommen, das hält man nicht aus.« Vorschlag: Bitten Sie Ihre Stieftochter doch ganz freundlich, das Futter zu Hause zuzubereiten und verzehrfertig mitzubringen. Dann kommen Sie um etwaige Keime herum, neben der Herdplatte wird nicht herumgepanscht, für den Hund ändert sich nichts, und Sie können den Abend entspannt genießen.

Illustration: Grafilu

Johanna Adorján
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