»Ich arbeite in einem Konzerthaus, dessen Gäste oft sehr alt und physisch eingeschränkt sind. Es gibt ein barrierefreies WC, das gut erkennbar als solches ausgewiesen ist und entsprechend frei gehalten werden soll. Nun kommt es regelmäßig vor, dass Personen ohne Behinderung auf diese Toilette ausweichen wollen und sich nicht einmal genieren, vorher loszuwerden, dass vor allen anderen Toiletten so lange Schlangen seien. Ich wiederhole immer wieder, dieses WC sei für Menschen mit Behinderung reserviert, und doch: Die meisten interessiert es nicht. Mich macht das umso wütender, wenn genau dann eine Person im Rollstuhl zum Warten gezwungen ist. Spreche ich allerdings ein explizites Verbot aus, hält man mir oft Unmenschlichkeit und Anmaßung vor. Klassik-Publikum eben. Was soll ich tun?« Niklas E., Bielefeld
Sie schreiben, dass das barrierefreie WC frei gehalten werden soll. Soll. Sollte. Ob es wirklich exklusiv von Menschen mit Behinderung benutzt werden darf, regelt die jeweilige Hausordnung. Es gibt dafür keine gesetzliche Vorschrift. Wenn wir also Ihre Formulierung ernst nehmen, und einen anderen Hinweis auf diese besondere Situation haben wir nicht, scheint besagte Toilette in diesem Konzerthaus einfach jene zu sein, die sich aufgrund ihrer Barrierefreiheit zur Nutzung von Menschen mit Behinderung eignet. Diese haben dort also den Vorrang, wobei es Menschen ohne Behinderung nicht grundsätzlich verboten ist, diese Örtlichkeit ebenfalls zu benutzen. Natürlich nur, das gebietet die Höflichkeit, und das weiß ja auch wirklich jeder, wenn gerade niemand mit Behinderung in der Nähe ist, der sie braucht.
Tatsächlich ist es ja oft so, dass das Nutzen der Toilette in einer Konzertpause auch für Menschen ohne Behinderung kaum zu schaffen ist. Je nach Sitzplatz im Saal (am Rand oder in der Mitte), Gehgeschwindigkeit und Orientierungssinn kann man schon mal die komplette Pause mit Anstehen zubringen, zumal in der Damentoilette, und ist völlig mit den Nerven runter, wenn man dann gerade noch rechtzeitig zum Türenschließen den Saal wieder erreicht. Es sind ja auch nicht alle Konzertbesucher, wie Sie richtig bemerken, extrem jung.
Was Sie also tun sollen? Vielleicht ein bisschen freundlicher auf all die Menschen sehen, die doch auch nur versuchen, irgendwie mit den Anforderungen und Zumutungen des Lebens zurechtzukommen. Auch klingt aus Ihrer Frage eine gewisse Geringschätzung für Liebhaber klassischer Musik heraus. Vielleicht ist das auch ein Teil des Problems? Vielleicht wären Sie insgesamt zufriedener, wenn Sie an einem Ort arbeiten könnten, wo Ihnen das Publikum mehr behagt?

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