Tristan Jorde ist Diplom-Ingenieur für Umwelttechnik mit den Schwerpunkten Wasser, Abfall und Ökodesign. Seit 2017 leitet er den Fachbereich Umwelt- und Produktsicherheit bei der Verbraucherzentrale Hamburg:
»Auf die Frage, ob wir einen Entkalker brauchen, antworte ich: Ganz sicher nicht. Denn: Kalkhaltiges Wasser ist gesundheitlich unbedenklich. Das, was wir als Kalk im Wasser bezeichnen, sind gelöste Ionen, vor allem Kalzium und Magnesium, dazu Karbonate, Sulfate, Chloride und einige andere Mineralstoffe. All diese Stoffe sind zentrale Bausteine unseres Körpers: Unsere Knochen bestehen aus Kalzium, Magnesium ist in den Muskeln enthalten. Wir bestehen aus diesen Mineralien.
Wer seine Wasserversorgung aus den Kalkalpen bezieht, bekommt sehr hartes, also sehr kalkhaltiges Wasser. Bezieht man das Wasser hingegen aus einem granithaltigen Gebirge, wie zum Beispiel dem Bayerischen Wald, ist es tendenziell sehr weich. Regional kann das aber stark variieren, denn es kommt darauf an, woher die lokale Trinkwasserversorgung ihren Brunnen bezieht. Stammt der Brunnen aus einem Sediment in einer Tallage, können dort auch kalkhaltige Ablagerungen enthalten sein, die von außen nicht sichtbar sind. Im Zweifelsfall sollte man deshalb beim eigenen Wasserwerk nachfragen, wie hart das Wasser tatsächlich ist. Ob das Wasser in einer Region härter oder weicher ist, spielt für die Gesundheit keine Rolle. Manche empfinden härteres Wasser sogar als frischer im Geschmack, obwohl Wasser eigentlich nach nichts schmecken sollte. Andere bevorzugen enthärtetes Wasser, etwa für Tee – das ist eine rein subjektive Wahrnehmung und hat keine gesundheitliche Bedeutung.
Wichtig ist auch, dass der Mensch sich über Hunderttausende von Jahren an das natürliche Wasser angepasst hat. Wir haben nie reines H₂O getrunken, sondern immer Wasser aus Quellen, Brunnen oder aufgefangenem Regenwasser, das nur wenige Störstoffe enthält. Dieses Wasser trinken Menschen seit Millionen Jahren, eine gesundheitliche Gefahr oder gar eine »Knochenverkalkung« besteht nicht.«
