Wenn Sie keine Rezepte und spannenden Geschichten mehr verpassen möchten, abonnieren Sie unseren Newsletter:
Thomas Tietz hat in Chemie promoviert, sich in Toxikologie weiterqualifiziert und leitet seit drei Jahren die Fachgruppe zur Sicherheit von Lebensmittelkontaktmaterialen am Bundesinstitut für Risikobewertung.
»Sobald wir essen, trinken oder atmen, nehmen wir Mikroplastik auf. Es steckt in Lebensmitteln, im Trinkwasser und sogar in der Luft. In Innenräumen etwa durch die Freisetzung aus Vorhängen, Teppichen oder Küchenutensilien. Draußen stammt das Mikroplastik vor allem vom Reifenabrieb auf der Straße. Es ist unmöglich, dem zu entgehen. Selbst wer ausschließlich aus Keramikbechern trinken würde, wäre also nicht mikroplastikfrei.
Aus Umweltperspektive macht es einen Unterschied, ob ich Pappbecher mit Beschichtung, durchsichtige Plastikbecher oder einen Mehrwegbecher aus Hartplastik nutze. Aber nach aktuellem Forschungsstand trägt keiner dieser Becher in relevantem Umfang dazu bei, wie viel Mikroplastik wir aufnehmen. Das, was beim Befüllen eines Kunststoffbechers an Partikeln ins Lebensmittel übergeht, ist verschwindend gering im Vergleich zu dem, was wir ohnehin über Lebensmittel und die Umgebungsluft aufnehmen. Wer konsequent auf Keramik umsteigt, nimmt zwar noch etwas weniger Mikroplastik auf, aber dieser Unterschied ist so klein, dass er praktisch nicht ins Gewicht fällt.
Besonders hartnäckig hält sich der Mythos, dass wir pro Woche so viel Mikroplastik aufnehmen, wie eine ganze Kreditkarte. Die Studie, aus der diese Zahl stammt, ist methodisch unzulänglich. Die tatsächliche Aufnahme ist um mehrere Größenordnungen, etwa 1000-fach, wenn nicht 10.000-fach niedriger. Größere Mikroplastikteilchen werden vom Körper schlicht wieder ausgeschieden und sind damit kein gesundheitliches Problem. Nur winzige Partikel, vor allem im Nano-Bereich, könnten theoretisch überhaupt durch die Darmwand in den Körper gelangen. Ob sie dann dort gesundheitliche Probleme verursachen, ist noch nicht abschließend geklärt, Belege für gesundheitliche Schädigungen im Menschen liegen bisher nicht vor. Soweit wir wissen, stellt Mikroplastik kein gesundheitliches Problem dar, allerdings sind mehr Forschung und Langzeitstudien insbesondere zu Nanoplastik weiterhin nötig.«
