Grüne Themen / ÖkologieHallo? Kopenhagen?

Aus Heft 49/09

Lesezeit: 1 Min.

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Olaf Otto Becker

Jedes Jahr schmelzen allein in Grönland 273 Milliarden Tonnen Gletschereis. Diese neuen spektakulären Aufnahmen zeigen, wie ernst die Lage ist.

Fotos: Olaf Otto Becker

K

Katastrophentouristen haben ein neues Ziel: Grönland. Hillary Clinton, Angela Merkel und EU-Präsident Manuel Barroso, alle waren sie schon auf der größten Insel unserer Erde, um die globale Erwärmung am eigenen Leib zu erfahren. Um mehr als zwei Grad stieg die Temperatur dort in den vergangenen zwanzig Jahren, inzwischen schmelzen jährlich unvorstellbare 273 Milliarden Tonnen Gletschermasse ab. Das ewige Eis von Grönland taut immer schneller und treibt die Meeresspiegel weltweit hoch: im Moment um knapp einen Millimeter pro Jahr, doch die Experten fürchten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts einen Anstieg von mehreren Zentimetern, schlimmstenfalls sogar um anderthalb Meter. Sollten sie recht behalten, ist die Existenz von Millionen Menschen rund um den Globus gefährdet.

Und doch werden sich die Politiker auf der Klimakonferenz in Kopenhagen wohl wieder nicht zu einem ernst zu nehmenden und verpflichtenden Abkommen durchringen. Warum? Sind es nur ökonomische Zwänge? Oder liegt es an der zweideutigen Botschaft, die von den schmelzenden Gletschern Grönlands ausgeht: endlose Eislandschaften, türkisfarbene Bäche, von der Zivilisation scheinbar unberührt – eine Katastrophe sieht anders aus. Nur der schwarze Staub trübt das Bild: Ruß und Kohlestaub aus Nordamerika, Europa und China. Schwarz absorbiert Sonnenstrahlen, der Boden erwärmt sich stärker als bei sauberem Eis, das beschleunigt die bereits eingetretene Schmelze. Ein Problem, aber keine Katastrophe. Um das ganze Ausmaß der Bedrohung zu verstehen, hilft das Auge nicht. Das erklären nur Szenarien und Hochrechnungen der Wissenschaftler. Ihre Beweise sind erdrückend, aber letztlich eben auch Glaubenssache. Vielleicht ist das der Grund, warum viele den Klimawandel nicht ernst nehmen: Man kann ihn nicht sehen und muss doch glauben. Und damit, wusste der Evangelist Johannes schon vor 2000 Jahren, hat der Mensch nun einmal seine Schwierigkeiten.

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Mit einem Satellitenbild der NASA zur Orientierung brach der Fotograf Olaf Otto Becker mit einem Bergführer nach Grönland auf. Allein zum ersten Fluss marschierten sie zwei Wochen über Eis und Gletscherspalten. Der Schlitten mit der Ausrüstung ächzte, und Becker schluckte Tabletten, um seine Knieschmerzen zu ertragen. "Es war die Hölle", sagt er. Umso überirdischer seine Bilder, die er nun im Band Above Zero im Hatje Cantz Verlag veröffentlicht hat.

Rainer Stadler (Text)

Grönland überzieht ein bis zu 3000 Meter dicker Eispanzer. Weil die Temperatur auf der größten Insel der Erde allein in den letzten 15 Jahren um zwei Grad gestiegen ist, taut das Eis immer schneller ab. Das Schmelzwasser lässt die Meeresspiegel weltweit steigen
Grönland überzieht ein bis zu 3000 Meter dicker Eispanzer. Weil die Temperatur auf der größten Insel der Erde allein in den letzten 15 Jahren um zwei Grad gestiegen ist, taut das Eis immer schneller ab. Das Schmelzwasser lässt die Meeresspiegel weltweit steigen
Olaf Otto Becker
Autospuren in der Arktis? Von wegen: Viele kleine Pfützen mit Schmelzwasser haben sich zu einem Rinnsal vereint. So entstehen Bäche und schließlich Ströme im ewigen Eis.
Autospuren in der Arktis? Von wegen: Viele kleine Pfützen mit Schmelzwasser haben sich zu einem Rinnsal vereint. So entstehen Bäche und schließlich Ströme im ewigen Eis.
Olaf Otto Becker
Der menschliche Makel: Ruß und Kohlestaub aus Nordamerika, Europa und sogar aus dem 9000 Kilometer entfernten China lassen sich in Grönland nachweisen.
Der menschliche Makel: Ruß und Kohlestaub aus Nordamerika, Europa und sogar aus dem 9000 Kilometer entfernten China lassen sich in Grönland nachweisen.
Olaf Otto Becker
Die Eisdecke auf Grönland, die nun abschmilzt, ist ein Relikt aus der Eiszeit. Die untersten Schichten bestehen aus Schnee, der dort vor 130.000 Jahren fiel.
Die Eisdecke auf Grönland, die nun abschmilzt, ist ein Relikt aus der Eiszeit. Die untersten Schichten bestehen aus Schnee, der dort vor 130.000 Jahren fiel.
Olaf Otto Becker
Während des Sommers entstehen in Grönland riesige Seen. Sie sind auf keiner Karte verzeichnet.
Während des Sommers entstehen in Grönland riesige Seen. Sie sind auf keiner Karte verzeichnet.
Olaf Otto Becker
Sauberes Eis reflektiert. Verschmutztes Eis dagegen absorbiert Sonnenlicht; so erwärmt sich die Erde noch schneller.
Sauberes Eis reflektiert. Verschmutztes Eis dagegen absorbiert Sonnenlicht; so erwärmt sich die Erde noch schneller.
Olaf Otto Becker
Touristen genießen das T-Shirt-Wetter am Point 660, etwa 30 Kilometer vom Küstenort Kangerlussuaq entfernt. An manchen Tagen steigt das Thermometer hier mittlerweile auf bis zu 30 Grad.
Touristen genießen das T-Shirt-Wetter am Point 660, etwa 30 Kilometer vom Küstenort Kangerlussuaq entfernt. An manchen Tagen steigt das Thermometer hier mittlerweile auf bis zu 30 Grad.
Olaf Otto Becker
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