Für zwei, drei Sekunden war Peter Maffay der Papst meiner Kirche. Ich war 13 und bei einem Schulfreund zu Besuch, dessen Vater im Wohnzimmer auf teurem Gerät neue Schallplatten hörte. »Lieber Gott, wenn es dich gibt …«, bohnerte Maffays Stimme durchs Reihenhaus, eine Spur zu laut, und ich dachte: Das ist es. Das ist mein Mann, meine Welt, mein Glaube. Diese Ahnung, dass es Gott nicht gibt, und dann trotzdem beten. Ich war also nicht allein! Doch dann sang Maffay weiter: »Zeig uns deinen Weg, eh das Böse in uns siegt …«, und ich dachte: Ach so, nee, wieso »uns«, und wieso mit jemandem verhandeln, den es nicht gibt, und ich stand da mit meinem Tri-Top-Glas und dachte: Ich bin also doch ganz allein in meiner Kirche, es gibt nicht einmal einen Gott, es gibt nur mich, und ich bete.
Glaube und ReligionNa ja und Amen
Aus Heft 14/20
Lesezeit: 7 Min.

Kann man beten, ohne an Gott zu glauben? Aber ja – gerade in Zeiten wie diesen.
Von Till Raether Collagen: Adam Sniezek
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