Die Schürze, die ich mehr als zehn Jahre lang tragen sollte, band ich mir um die Hüften, als ich gerade 16 geworden war. Ich wollte im Sommer mit einer Freundin auf große Zugfahrt gehen, quer durch Europa, vier Wochen, und dafür brauchte ich Geld. Im Nachbardorf gab es ein Wirtshaus mit einem Biergarten, und die Wirtin brauchte eine Kellnerin. An meinem ersten Arbeitstag, vermutlich war es ein Samstag, ich ging ja noch zur Schule, kam nach einer halben Stunde die Feuerwehr – gut dreißig Männer hatten eine Löschübung hinter sich, sehr großen Durst auf Bier, und nach Schnitzeln und Fritten riefen sie auch. Ich rannte bis kurz vor Mitternacht zwischen Küche, Tresen und den Tischen hin und her. Am Ende bekam ich von der Chefin einen Umschlag mit selbst verdientem Geld und eine Tafel Schokolade. Seitdem gehört das Gefühl der totalen Erschöpfung, gepaart mit dem Stolz, etwas geschafft zu haben, für mich zu jeder Art von erledigter Arbeit, und dummerweise habe ich daraus gelernt, dass sich harte Arbeit lohnt und man vom Löcher-in-die-Luft-Starren nicht vorankommt, was schlimmer neoliberaler Bullshit ist, den ich schon damals von Herzen verachtete.
GetränkemarktDie beste Schule
Aus Heft 42/20
Lesezeit: 2 Min.

Als Kellnerin und Barkeeperin hat unsere Kolumnistin nicht nur die glanzvollen Seiten des Lebens kennengelernt – dafür sich selbst und die Menschen aber ziemlich gut.
Von Simone Buchholz
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