GetränkemarktDas vergessene Bier

Aus Heft 46/21

Lesezeit: 2 Min.

Foto: Maurizio Di Iorio

Für den Sommer nach dem Lockdown gab es Pläne über Pläne: Viele gemeinsame Biere waren ausgemacht, einige wurden vergessen. Nun ist es zu spät.

Von Simone Buchholz

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Um zwischendrin auch mal runterzukommen verstecke ich mich hin und wieder für ein paar Tage in Flensburg. Meine Laufstrecke dort ist eine Mischung aus Badespaß und Industrieromantik. Je nachdem, welchen Weg ich zurück nach Hause nehme, linksrum oder rechtsrum, komme ich auch noch an einem Bierautomaten vorbei. Der Automat ziert natürlich die linke Seite des Weges, und immer, wenn er neben mir auftaucht, denke ich, dass er eigentlich meinen Kopf im letzten Winter abbildet, als ich mitten in der Kompressionskammmer aus Arbeit, Ausgangsbeschränkungen und Alkoholverboten täglich mit jemandem ausgemacht habe, dass wir im Sommer – »dann sollte das ja wieder gehen« – mal zusammen ein Bier trinken. Die meisten dieser Menschen kannte ich nur aus Textnachrichten, aus E-Mails, vom Telefon oder als Videokacheln, aber wir waren einander irgendwie ans Herz gewachsen. Wie man sich halt so an der Welt festkrallt, während sie gerade zerfällt. Mit den Versprechungen für den Sommer hab ich also einfach Vorräte kalt gestellt, die dann bitte bald Wärme entfalten mögen, und so ist der Bierautomat im Flensburger Industriehafen zu einem Manifest meines pandemischen Seelenzustands geworden, der sich immer noch nicht so richtig gebessert hat. Denn ich habe es den ganzen Sommer über nicht geschafft, die Biere da rauszuholen und mit den Leuten zu trinken, für die ich sie reserviert habe. Mit einem einzigen von ihnen war ich so kurz davor, Ende Mai, als die Situation noch ganz schön wackelig war. Wir hatten es in dieselbe Stadt geschafft und vor ein Bahnhofshotel, in dem man locker zwei Bier aus der Hotelbar hätte holen können, sogar vier Bier, aber er war erkältet und ich war müde.

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