Wer denkt, dass in Bayern viel Bier getrunken wird, war nie in Tschechien. Im Durchschnitt trinkt jeder Tscheche – Frauen, Kinder und Abstinenzler mitgerechnet – 141 Liter im Jahr, jeder Deutsche nur 102 Liter, dazu gibt es meistens Fleisch oder Fleisch mit einer Beilage. Besonders viel Bier wurde in Tschechien an einem heißen Julitag 1991 getrunken: Ich war 15 und spielte in unserer Fußball-Schulmannschaft, rechter Verteidiger, Ersatzspieler, aber immerhin. In der Tschechoslowakei war nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der samtenen Revolution unter Václav Havel gerade die Demokratie wiedererrichtet worden. Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama hatte das Ende der Geschichte ausgerufen, den endgültigen Sieg der liberalen Demokratien über alle anderen Staats- und Wirtschaftssysteme. Das Ganze war eine Jahrhundertzäsur, der zu Ehren unser Schuldirektor eine gloriose Idee hatte: ein Fußballspiel gegen unsere tschechischen Nachbarn, ein großer Tag der Völkerverständigung, ein Symbol für Europa.
GetränkemarktSo blau, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnten
Aus Heft 34/20
Lesezeit: 2 Min.

Im Jahr 1991 spielte der Westen Fußball gegen den Osten – ein großer Tag der Völkerverständigung. Spielentscheidend waren am Ende ein paar Flaschen Budweiser.
Von Tobias Haberl
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