Soziale MedienWenn jede Traurigkeit gleich zur Depression erklärt wird

Lesezeit: 7 Min.

Illustration: Susan Stankovic/Getty Images

Auf Tiktok florieren Videos zu ADHS-Selbstdiagnosen, Influencer vermarkten ihre Depressionen auf Instagram. Dieser Umgang mit psychischen Krankheitsbildern kann Betroffenen helfen - aber auch gefährlich werden, sagt Soziologin Laura Wiesböck.

Interview von Jonas Vogt

SZ-Magazin: Frau Wiesböck, Ihr Buch »Digitale Diagnosen« beginnt mit der Szene einer Influencerin, die auf ihrem Kanal erzählt, dass sie ihre Kinder gerade vor den Fernseher gesetzt habe, weil sie kurz vor dem »Ausrasten« gewesen sei. Sie müsse sich jetzt um ihre Mental Health kümmern und meditieren. Was macht diese Szene so besonders? Ist sowas nicht völlig normal?Laura Wiesböck: Um diese Frage geht es in diesem Beispiel. Es ist doch erst einmal berechtigt und nachvollziehbar, dass eine Mutter von zwei Kindern, die unter dauerhaftem Schlafmangel leidet und unter hohem gesellschaftlichem Druck steht, auch einmal gereizt ist. Doch hier wird emotionale Ausgeglichenheit plötzlich zu einer Frage von Gesundheit oder Krankheit, zu einem Kriterium für Mental Health. Die Situation ist beispielhaft für die Frage, ob Menschen in modernen Gesellschaften sich mittlerweile nur dann Erholung zugestehen können, wenn sie auf ihre Gesundheit verweisen. Dies greife ich in meinem Buch auf, in dem ich den wachsenden Online-Diskurs über psychische Gesundheit untersuche.

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