SZ-Magazin: Herr Nemat, Sie haben ein Buch über künstliche Intelligenz in der Medizin geschrieben und es »Der letzte Patient« genannt. Wer ist damit gemeint?
André T. Nemat: Seit den Anfängen der Medizin gilt im Grunde dasselbe Prinzip: Find and fix – wir finden Dinge heraus und behandeln sie. Dabei werden die Diagnosen immer genauer, die Therapien immer schonender und individueller. Jetzt stehen wir zum ersten Mal an der Schwelle zu einem echten Paradigmenwechsel hin zu einem anderen Prinzip: Predict and prevent, also vorhersagen und verhindern. Denn wir wollen ja gar nicht erst krank werden. Das ist das große Versprechen der künstlichen Intelligenz in der Medizin. Der »letzte Patient« ist in diesem Szenario der letzte Mensch, der an einer Erkrankung litt oder starb, die wir hätten verhindern können – weil wir die Technologie nutzen, um uns intensiver um Patienten zu kümmern und Krankheiten vor ihrem Ausbruch zu erkennen. Das wäre die bestmögliche Zukunft, die Utopie.
Gesundheit»Das große Versprechen ist, gar nicht erst krank zu werden«
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Bilderkennung, Blutuhr, virtuelle Doppelgänger: Künstliche Intelligenz verändert die Medizin gerade grundlegend.
Bild: Anand Purohit / Getty ImagesWerden wir Krankheiten künftig verhindern statt behandeln? Der Arzt André T. Nemat geht dieser Frage in seinem Buch »Der letzte Patient nach«. Ein Gespräch über digitale Zwillinge, Denkfehler und die Frage, worauf wir hoffen dürfen.
Interview von Sarah-Maria Deckert