Das Erste, das dir auffällt: Er ist so wahnsinnig gut gelaunt. Trotz der Herrgottsfrühe, seit sechs ist er im Dienst, trotz der drei, vier Stunden Schlaf, man sieht es ihm noch an: die Augen gerötet, der hellbraune Schopf zerzaust, als wäre er gerade aus dem Bett in die Küche geplumpst. Merkt man aber nicht, als das Telefon bimmelt. Fahrstuhl-Jazz. Sascha Jakobi schaut, als höre er die schönste Melodie der Welt. Küche, Jakobi, schönen guten Morgeeen! Er flötet die Worte so in den Hörer, dass man das Lächeln hört. Die Orthopädie. Sieben Patienten brauchen kein Mittagessen, sie werden operiert. Jakobi huscht zum PC, ist notiert. Zwei Minuten später wieder das Telefon. Die Psychiatrie. Frühstück ist da, zwei Roggenbrötchen fehlen. Jakobi »bombt« sie mit der Rohrpost hoch (er nennt das wirklich so). Ein drittes Mal, die Geriatrie. Ein Privatpatient hat Spezialfrühstück bestellt. Jakobi schaut sich um: Die Fahrer sind alle unterwegs mit Essenswagen, die Küchenmannschaft selbst beim Frühstück. Er wolle niemandem die Pause nehmen, sagt er. Also geht der Chef selbst.
Gesundheit»Für manche hier ist das Essen die einzige Freude, die sie haben«
Aus Heft 12/25
Lesezeit: 8 Min.

Sascha Jakobi kam mit schweren Depressionen in eine Klinik. Die Behandlung hilft, das Essen schmeckt fürchterlich. Also beschließt der Koch aus der gehobenen Gastronomie, dort selbst Küchenchef zu werden.
Von Marvin Ku
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