GeschenkeSchöne Bescherung (III) - Frankenbergers Geschenke

Aus Heft 45/10

Lesezeit: 2 Min.

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Sebastian Frankenberger hat in Bayern das härteste Rauchverbot Deutschlands durchgesetzt. Zum Dank schicken ihm die Raucher jetzt Geschenke. Oder sagen wir besser: »Geschenke«.

Von: Dominik Stawski

A

Am 28. August, um 1.13 Uhr nachts, schreibt Sebastian Frankenberger auf sein Facebook-Profil: »An meine Stalker: Bitte bestellt wenigstens Produkte, die mich auch interessieren.« Innerhalb einer Woche hat Frankenberger, der das Volksbegehren für das Rauchverbot in Bayern startete, Pakete im Wert von 200 000 Euro bekommen – die meisten per Nachnahme, natürlich musste er sie zurückschicken. Deshalb fügt er der Facebook-Notiz an seine Stalker noch einen Wunschzettel bei: Bücher, die man ihm gerne bestellen könne. Doch die Liste interessiert niemanden. Sie schicken weiter, was sie wollen: Hanfpalmen, Kuhdung, einen Treppenlift.

Das erste Paket kam am 17. August, da war der Rauch schon drei Wochen aus den bayerischen Kneipen verbannt. Frankenberger, damals noch im Siegestaumel, nahm das Paket entgegen. »Mal schauen, vielleicht ein Geschenk.« Dann sah er die Rechnung: Gesundheitsschuhe, schwarz, Schuhgröße 44, sie stimmte sogar.

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Vier Pakete Kuhdung lieferte eine Spedition an Frankenbergers Haustür ab, insgesamt 20 Kilogramm. »Die Pakete waren größer als alle anderen.« Frankenberger kennt aber keine Landwirte, die den Dung gebrauchen könnten, also schickte er die Pakete wieder zurück.
Vier Pakete Kuhdung lieferte eine Spedition an Frankenbergers Haustür ab, insgesamt 20 Kilogramm. »Die Pakete waren größer als alle anderen.« Frankenberger kennt aber keine Landwirte, die den Dung gebrauchen könnten, also schickte er die Pakete wieder zurück. Pressebild
Die zwei chinesischen Hanfpalmen fand Frankenberger ganz witzig, außerdem haben sie – anders als die Bikerhose oder der Kuhdung – wenigstens entfernt etwas mit Rauchen und Rauchverbot zu tun. Trotzdem hat er sie zurückgeschickt.
Die zwei chinesischen Hanfpalmen fand Frankenberger ganz witzig, außerdem haben sie – anders als die Bikerhose oder der Kuhdung – wenigstens entfernt etwas mit Rauchen und Rauchverbot zu tun. Trotzdem hat er sie zurückgeschickt. Pressebild
Wie bei Sexspielzeug üblich, kam diese Analkette in neutraler Verpackung bei Frankenberger an. »Vielleicht denken die Leute, dass ich wegen des Rauchverbots und weil ich keinen Alkohol trinke, ein Spießer bin.« Tatsache ist, sagt Frankenberger, er wusste genau, was er da in der Hand hält.
Wie bei Sexspielzeug üblich, kam diese Analkette in neutraler Verpackung bei Frankenberger an. »Vielleicht denken die Leute, dass ich wegen des Rauchverbots und weil ich keinen Alkohol trinke, ein Spießer bin.« Tatsache ist, sagt Frankenberger, er wusste genau, was er da in der Hand hält. Pressebild
Auch diese Feuchtigkeitscreme wollte Frankenberger zurückschicken und rief deshalb beim Hersteller an. Die Dame am Telefon sagte: »Ach, Herr Frankenberger, das können Sie behalten. Das geht auf uns.« Normalerweise benutzt er lieber biologische Produkte.
Auch diese Feuchtigkeitscreme wollte Frankenberger zurückschicken und rief deshalb beim Hersteller an. Die Dame am Telefon sagte: »Ach, Herr Frankenberger, das können Sie behalten. Das geht auf uns.« Normalerweise benutzt er lieber biologische Produkte. Pressebild
Ein Trip nach Zypern, 850 Euro, gehörte noch zu den günstigeren Reisen, die seine Gegner für Frankenberger buchten. Ein anderes Mal bekam er die Bestätigung für eine Weltreise, die mehrere Tausend Euro kostete. Immerhin konnte er die Veranstalter überreden, keine Stornogebühren zu verlangen.
Ein Trip nach Zypern, 850 Euro, gehörte noch zu den günstigeren Reisen, die seine Gegner für Frankenberger buchten. Ein anderes Mal bekam er die Bestätigung für eine Weltreise, die mehrere Tausend Euro kostete. Immerhin konnte er die Veranstalter überreden, keine Stornogebühren zu verlangen. Pressebild
Eines Tages meldete sich eine Firma: »Wir sollen bei Ihnen im vierten Stock einen Treppenlift einbauen.« Das Stockwerk war richtig, aber der Mann am Telefon meinte: »Wir gehen aber davon aus, dass das nicht stimmt.« Da war Frankenberger erleichtert.
Eines Tages meldete sich eine Firma: »Wir sollen bei Ihnen im vierten Stock einen Treppenlift einbauen.« Das Stockwerk war richtig, aber der Mann am Telefon meinte: »Wir gehen aber davon aus, dass das nicht stimmt.« Da war Frankenberger erleichtert. Pressebild
Die Bestellbestätigung per E-Mail erreichte Frankenberger Sonntagnacht: Rum, Whiskey und Wodka im Wert von 800 Euro. Noch am Montagmorgen stornierte er, der Nichtraucher Frankenberger trinkt nämlich auch nicht. Der einzige Alkohol, den er je im Leben zu sich genommen hat, war in einem Hustensaft enthalten.
Die Bestellbestätigung per E-Mail erreichte Frankenberger Sonntagnacht: Rum, Whiskey und Wodka im Wert von 800 Euro. Noch am Montagmorgen stornierte er, der Nichtraucher Frankenberger trinkt nämlich auch nicht. Der einzige Alkohol, den er je im Leben zu sich genommen hat, war in einem Hustensaft enthalten. Pressebild
Immer wieder lagen Zeitschriften im Briefkasten, mit Begleitschreiben und Glückwunsch zum neuen Abo. Frankenberger rief daraufhin so oft bei den Verlagen an, bis sie seinen Namen sperrten. Will er jetzt eine Zeitschrift oder Zeitung abonnieren, muss er erst einmal per Brief bestätigen, dass er es wirklich ernst meint.
Immer wieder lagen Zeitschriften im Briefkasten, mit Begleitschreiben und Glückwunsch zum neuen Abo. Frankenberger rief daraufhin so oft bei den Verlagen an, bis sie seinen Namen sperrten. Will er jetzt eine Zeitschrift oder Zeitung abonnieren, muss er erst einmal per Brief bestätigen, dass er es wirklich ernst meint. Pressebild
Gesundheitsschuhe der Größe 44, Frankenbergers Schuhgröße – entweder war es Zufall, oder die Bestellung stammte von Leuten, die ihn kennen. Sein Stil waren die Schuhe jedenfalls nicht. Er trägt eher Glattleder, klassische Budapester. »Vielleicht hat man mir diese Schuhe geschickt, weil ich so ein Gesundheitsapostel bin.«
Gesundheitsschuhe der Größe 44, Frankenbergers Schuhgröße – entweder war es Zufall, oder die Bestellung stammte von Leuten, die ihn kennen. Sein Stil waren die Schuhe jedenfalls nicht. Er trägt eher Glattleder, klassische Budapester. »Vielleicht hat man mir diese Schuhe geschickt, weil ich so ein Gesundheitsapostel bin.« Pressebild
Warum man ihm diese Bikerhose, ein Lederimitat, geschickt hat? Frankenberger weiß es nicht, er hat zwar lange Haare, aber mit Rock und Leder nichts am Hut. Außerdem sei die Hose »viel zu groß«.
Warum man ihm diese Bikerhose, ein Lederimitat, geschickt hat? Frankenberger weiß es nicht, er hat zwar lange Haare, aber mit Rock und Leder nichts am Hut. Außerdem sei die Hose »viel zu groß«. Pressebild

Die Raucher richteten in den folgenden Wochen all ihren Zorn auf Frankenberger: Es gab Morddrohungen gegen den Passauer ÖDP-Politiker. Frankenberger, inzwischen 29 Jahre alt, hat für das Verbot gekämpft, als hinge daran sein eigenes Leben, und sogar einen Protest auf der Münchner Theresienwiese organisiert. Nach seinem Sieg feixte er in jede Kamera, die er entdecken konnte, und zog damit erst recht den Zorn der Raucher auf sich. Er wurde aus Festzelten geworfen, in Passau hingen an vielen Kneipen Schilder mit seinem Konterfei: »Ich muss leider draußen bleiben.«

Innerhalb von sechs Wochen hat er 60 Pakete bekommen, dazu 500 Briefe. Mal wurde er beschimpft, mal von einem Reiseunternehmen aufgefordert, 7000 Euro für eine Weltreise zu überweisen. Jedes Mal, wenn er ein dickes Kuvert aus dem Briefkasten zog, hatte er Angst vor einer Bombe. Die meisten Pakete musste Frankenberger annehmen. Die Boten hielten ihm einfach einen Rücksendeschein unter die Nase. Einmal waren es 15 Stück an einem Tag. Er stapelte sie im Flur seiner Wohnung, fuhr sie zur Post. Immerhin, er musste keinen Cent zahlen, die Firmen kamen für die Versandkosten auf.

Jedes unerwünschte Geschenk meldete Frankenberger der Polizei. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Aber das Meiste war bei den Firmen per Brief bestellt worden, ohne oder mit gefälschtem Absender. Nur zwei bestellten im Internet, die Ermittler suchen sie jetzt anhand der IP-Adressen. Fast könnte man vergessen, dass 61 Prozent der Bayern, die zur Wahl gingen, für das Rauchverbot stimmten. Von ihnen kamen keine Pakete, sondern Briefe. Manchmal steckte darin auch ein Fünf-Euro-Schein.

Foto: Robert Brembeck, André Mühling, Stills online, artur

Dominik Stawski

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