Ich liege auf dem Behandlungsstuhl einer Zahnarztpraxis und sehe von hier die zwei hübschen grünen Zwiebelhauben der Münchner Frauenkirche. »Den Mund weiter öffnen«, sagt der Zahnarzt. Kann ich kaum. Auch wegen der Menge von Werkzeugen und Watterollen, die bereits darin verschwunden sind. »Ich lebe ja schließlich von der Hand in den Mund«, setzt er mit einem Augenzwinkern nach. Ob ein Zahnarzt in so einem Moment ein Lächeln von einem Kieferkrampf unterscheiden kann? Ich lachhuste anerkennend, wodurch die Absaugkanüle weit in meinen Rachen rutscht. Ich muss würgen, Tränen steigen mir in die Augen. Die Assistentin fummelt das Gerät zurecht. Ich bilde mir ein, dass mir der Zahnarzt mit seiner Lupenbrille bis auf mein pochendes Herz sehen kann. Ein Gefühl der Entblößung. Meine Augen finden die Kirchturmspitzen wieder, sie schimmern friedlich in der Sonne.
FrauenObenrum frei
Aus Heft 20/21
Lesezeit: 13 Min.

Viele Frauen haben ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Lachen. Denn sie können es Männern damit eigentlich nie recht machen. Über ein Dilemma zwischen alten Rollenbildern und neuer Selbstbestimmung.
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