FamilieMein Bruder, im Wahn unerreichbar

Aus Heft 4/22

Lesezeit: 17 Min.

Verweigerte Medikamente, die Augen schwarz und starr, das Messer in der Hand des Neffen: Es war klar, dass sich die Krankheit bei Stefan wieder Bahn brach. Es war aber nicht klar, mit welchen Folgen.
Verweigerte Medikamente, die Augen schwarz und starr, das Messer in der Hand des Neffen: Es war klar, dass sich die Krankheit bei Stefan wieder Bahn brach. Es war aber nicht klar, mit welchen Folgen. Frank Schmolke

Ein Mann leidet an Schizophrenie – und setzt seine Medikamente ab. Sein Bruder muss entscheiden, ob ­er eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie herbeiführen soll.

Von Sarah Bioly Illustrationen: Frank Schmolke

A

Andreas Pauly blickte dem Tod in die Augen. Es waren die Augen seines Bruders Stefan. Starr lagen sie in den Höhlen, so als fänden sie an dem, was sich in der Realität abspielte, keinen Halt mehr. Nach und nach wich das Braun einem Schwarz. Es sah aus, als wäre er auf Drogen. So kam es Andreas vor. Zuerst, sagt Andreas, habe er gedacht, sein Bruder habe ein paar schlechte Tage. Dann hatte er einen Verdacht. »Hast du deine Medikamente abgesetzt?«, fragte er.
»Nein«, log Stefan.

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