Es war ein Sonntagnachmittag vor einem Jahr, Flughafen Berlin Brandenburg. Ich stand auf einer Rolltreppe, fuhr nach oben zu den Schaltern und freute mich auf den Rückflug nach Istanbul, wo ich seit vier Jahren überwiegend lebe. Neben mir fuhren Leute nach unten, die gerade in Berlin gelandet waren. Ich träumte, ließ den Blick über die Taschen und Gestalten streifen und blieb an einer braunen Ledertasche und einem hellen Leinenanzug hängen. Gutes Reise-Outfit, dachte ich. Entspannt, zeitlos. Da hatte jemand sicher ein schönes Wochenende, vielleicht irgendwo am Mittelmeer. Das Gesicht des Mannes sah ich erst, als er an mir vorbeifuhr – mir stockte augenblicklich der Atem. Ich kannte diesen Mann. Es war mein Vater.
PsychologieWie ich es geschafft habe, meinem abwesenden Vater zu verzeihen
Aus Heft 41/25
Lesezeit: 13 Min.

Vergebung ist anstrengend. Unsere Autorin hat versucht, sich nach vielen Jahren mit ihrem Vater und ihrer ehemals besten Freundin zu versöhnen – und dabei gelernt: Man gewinnt auch selbst etwas, wenn man Dinge einfach mal loslässt.
Von Carolin Würfel
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