Am häufigsten lüge ich dienstags. Dienstage sind die Stoßzeiten in meinem Alltag mit drei Kindern zwischen einem und acht Jahren. An Dienstagen reiht sich bei uns Termin an Termin, nahtlos und gnadenlos. Es gibt keine Chance durchzuschnaufen, keinen Puffer für Trotzanfälle oder dafür, beim Radfahren mal kurz Quatsch zu machen, einen lustigen Umweg zu fahren oder minutenlang stehenzubleiben, um sich ausführlich an der Nase zu kratzen (Spezialität des Fünfjährigen). Dienstags haben wir es eilig. Und ich habe das Gefühl, da nur durchzukommen, indem ich meine Kinder anlüge. Ich lüge, damit sie schneller sind, damit sie auf mich hören, damit sie sich auf das konzentrieren, was ich für wichtig halte. Und danach tut mir das jedes Mal leid.
FamilieDarf ich meine Kinder anlügen?
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»Die Katze lebt jetzt bei einer anderen Familie« oder »Der Piks tut überhaupt nicht weh«: Um Drama zu vermeiden, greifen Eltern oft zu Notlügen. Wie schlimm ist das? Und wie ginge es besser?
Von Ines Schipperges
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