Mein lieber Vater,
miteinander zu sprechen, so habe ich es mir als Kind immer vorgestellt, müsste doch eigentlich ein Leichtes sein. Gerade für Dich, meinen Vater, den Journalisten, den ich so sehr bewunderte. Denn bestand nicht die Welt, in der Du lebtest, vor allem aus Wörtern und aus Sprache? War es nicht Dein Beruf, ja Deine Berufung, den Dingen Namen zu geben, sie durch das Darüber-Reden und -Schreiben aus dem Ungefähren herauszuholen und ihnen Präzision und Sinn zu verleihen und sie einzuordnen? Reden war wichtig in unserer Familie, und es war selbstverständlich. Es war laut bei uns zu Hause, denn ständig wurde offen diskutiert. Und niemals wäre es mir als Kind in den Sinn gekommen, dass es etwas geben könnte, für das Du nicht die passenden Worte finden würdest.
