Lieber Papa,
ich war noch ein kleiner Bub, als Du mir den Tod gezeigt hast. Es war, als wir zum ersten Mal zusammen in Altötting waren. Mit einiger Scheu stand ich vor der Tilly-Gruft und sah mit Dir durch ein kleines Fenster im Sarg auf den Totenschädel des katholischen Feldherrn aus dem Dreißigjährigen Krieg. Über dem Sarg hing, verschlissen und wenig eindrucksvoll, die alte Kriegsfahne. Du sagtest wohl, dass der weltliche Ruhm vergänglich sei. Mit diesem Satz konnte ich damals nichts anfangen. Und was es mit dem Dreißigjährigen Krieg auf sich hat, habe ich auch erst später gelernt. Gelernt habe ich bei diesem ersten Altötting-Besuch aber eines: Was der Tod ist. Du hast ihn mir gezeigt.
