Gut, dass ich über einem Kindergarten wohne. Vielleicht wäre mir sonst nicht bewusst geworden, dass sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzieht, der sich an zwei tausendfach gehörten Wörtern festmachen lässt: Mama und Papa. Morgens, wenn die Eltern ihre Kinder zum Kindergarten gebracht haben, unterhalten sich einige vor der Tür, durch mein offenes Küchenfenster verstehe ich sie gut. Stellen sich zwei Elternteile einander vor, sagen sie Sätze wie: »Ich bin die Mama von der Leonie« oder: »Ich bin der Papa vom Noah.« Und in meinen Ohren quietscht es.
FamilieBabysprache
Aus Heft 12/20
Lesezeit: 4 Min.

Manche Eltern scheinen sich schwerzutun, sich noch als eigenständiges Individuum zu zeigen.
Foto: Patrick DesbrossesEltern, die sich mit den Namen ihrer Kleinen vorstellen, Erwachsene, die nicht von ihrer Mutter reden, sondern von ihrer »Mama«: Ist die Welt völlig kindisch geworden?
Von Susanne Schneider
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