Rita Falk

»Bei meiner Oma war der Sonntag klassisch. Kirche, Kaffee-Kuchen, Verwandtenbesuch, Sonntagsspaziergang. Oder wir sind in die Berge gegangen, mit Butterbroten und Sunkist im Rucksack. Ich habe bis zum achten Lebensjahr in Oberammergau gelebt, dann sind wir umgezogen, erst nach München, später nach Landshut. Das war furchtbar, ich bin mir vorgekommen wie entführt. Bis ich zwanzig war, bin ich in jeder freien Minute nach Oberammergau zur Oma. Ich war ein richtiges Küchenkind, habe gern bei der Oma und der Mama in der Küche zugeschaut. Natürlich kann ich einen Schweinsbraten, ich weiß gar nicht, was da schiefgehen soll. Wenn ich für die Familie koche – ich habe drei erwachsene Söhne –, lege ich eineinhalb Kilo Fleisch in dunkles Bier, viele Zwiebeln und Gemüse, das wird für die Sauce alles durchpassiert. Der Braten ist zwei Stunden im Ofen, eine Stunde und 40 bei niedriger Temperatur, dann wird hochgegrillt und immer wieder Bier drübergegossen, damit die Kruste schön wird, die muss Blasen schmeißen. Was übrig bleibt, gibt es am nächsten Tag als kalten Braten mit Meerrettich, das lieben wir alle.«
