Design & WohnenDie Vorzimmer der Macht

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Bundesbank . Die Treppe führt nicht zum Präsidenten Jens Weidmann, sie führt zu Besprechungsräumen. Der Chef hat, was recht selten ist, nochmals einen eigenen Pförtner. An der Wand ein Nagelbild von Günther Uecker.
Bundesbank. Die Treppe führt nicht zum Präsidenten Jens Weidmann, sie führt zu Besprechungsräumen. Der Chef hat, was recht selten ist, nochmals einen eigenen Pförtner. An der Wand ein Nagelbild von Günther Uecker.
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Nehmen Sie Platz, der Chef kommt gleich. Wir warten also und schauen uns um. Bei der Bundesbank, beim BND, bei der Telekom, beim Außenminister und bei Wer wird Millionär.

Von: Lorenz Wagner

N

Nicht mehr lange und er ist raus hier. Dann wird er nicht mehr Woche für Woche an derselben Sitzecke vorbeilaufen, mit dem Berber, mit der Topfpflanze, genannt »Hilde«, und diesem wundersamen Kunstwerk an der Wand, eine Mischung aus Telefon und Spielautomaten. Er, René Obermann, Chef der Deutschen Telekom, tut etwas, das selten ist in diesem Land: Aus freiem Willen, weit vor dem Pensionsalter und dem Ende seines Vertrages gibt er die Macht aus der Hand. Er wechselt zu einer kleineren Firma. »Ich möchte wieder näher ran an den Maschinenraum«, sagt er, also dahin, wo seine Arbeit wieder Arbeit ist und nicht mehr Regentschaft, irgendwo da oben, in einer der Etagen der Macht, verschanzt, behütet und bewacht.

Sie sind eine eigene Welt, diese Etagen, ob nun in der Bank, im Ministerium oder Konzern, betritt man sie, so haben sie alle zwei Dinge gemein: eine kühle, distanzierte Stille, die einen gleich die Stimme senken lässt. Und diesen ritualisierten Satz: »Bitte nehmen Sie doch einen Augenblick Platz.« Ja, bevor die Macht bitten lässt, lässt sie warten. Nun sitzen da also die Menschen, in einer seltsam unwirklichen Zwischenzone, an den Wänden Kunst, auf den Tischen Bücher, unterm Hintern dicke Polster. Allein: Niemand nimmt sie wirklich wahr. Wer zum Vorstandschef will, zum Außenminister, Bankpräsidenten, Generalbundesanwalt oder gar zu Günther Jauch, der hat etwas anderes im Sinn. Er will Eindruck schinden, Politik machen, Millionen verdienen.

Und nach Sitzen ist ihm bald schon gar nicht mehr zumute. Nach wenigen Minuten beginnen die Besucher oft, umherzuwandeln, sie schauen aus dem Fenster, gehen im Kopf noch mal Strategie und Anliegen durch oder pulen sich heimlich die Zahnlücken, dass darin auch keine Petersilie hängt. Und so sind sie verschwendet, all die Gemälde, Bücher und die windelweichen Ledersessel – und die Vorzimmer der Macht Orte, die den geringsten Eindruck hinterlassen. Meistens zumindest. Die Commerzbank hat in ihrem eine Bronzestatue platziert, ein Mann, er sitzt mitten auf der Sitzgruppe, dem Fenster zugewandt und liest. Der Macht kehrt er sprichwörtlich den Rücken zu. Erinnert irgendwie an René Obermann.

Fotos: Noshe

Das Vorzimmer des  Generalbundesanwalts  in Karlsruhe ist das Herz des Gebäudes. Bei Harald Range kommt ein gemischtes Publikum vorbei: mal Schüler auf Besichtigung, mal die Justizministerin zur Besprechung, mal ein Verdächtiger zum Verhör, etwa im NSU-Fall. Die Verhöre finden dann aber nicht in seinem Büro statt.
Das Vorzimmer des Generalbundesanwalts in Karlsruhe ist das Herz des Gebäudes. Bei Harald Range kommt ein gemischtes Publikum vorbei: mal Schüler auf Besichtigung, mal die Justizministerin zur Besprechung, mal ein Verdächtiger zum Verhör, etwa im NSU-Fall. Die Verhöre finden dann aber nicht in seinem Büro statt.
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Beim  BND  in Pullach erwartet die Besucher  klassischer Geheimdienstflair. Wer zu Präsident Gerhard Schindler will, muss rechts durch die Tür. Die fehlende Schreibtischlampe ist natürlich nicht beim Verhör zum Blenden.
Beim BND in Pullach erwartet die Besucher  klassischer Geheimdienstflair. Wer zu Präsident Gerhard Schindler will, muss rechts durch die Tür. Die fehlende Schreibtischlampe ist natürlich nicht beim Verhör zum Blenden.
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In Martin Blessings Warteraum in der  Commerzbank  sitzt eine Bronzestatue des Künstlers John Seward Johnson II. Der hat noch weitere Figuren im Hochhaus platziert - so stehen zwei zeitunglesende Männer vor den Aufzügen in der Lobby. Und was für ein Zufall: Dieselbe Palme steht auch beim Generalbundesanwalt.
In Martin Blessings Warteraum in der Commerzbank sitzt eine Bronzestatue des Künstlers John Seward Johnson II. Der hat noch weitere Figuren im Hochhaus platziert - so stehen zwei zeitunglesende Männer vor den Aufzügen in der Lobby. Und was für ein Zufall: Dieselbe Palme steht auch beim Generalbundesanwalt.
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Das  Auswärtige Amt . Auf diesen grünen Sesseln eines Traditionsbetriebs aus Dresden haben schon fast alle Außenminister der Welt gesessen. Sofern Guido Westerwelle und seine Vorgänger diese nicht gleich selbst in Empfang genommen haben, einen John Kerry lässt man halt nicht warten. Die Tür aus dem schönen Kirschbaumholz führt übrigens nicht zum Chef, sie führt, man sieht es an dem kleinen Schild links, zum WC.
Das Auswärtige Amt. Auf diesen grünen Sesseln eines Traditionsbetriebs aus Dresden haben schon fast alle Außenminister der Welt gesessen. Sofern Guido Westerwelle und seine Vorgänger diese nicht gleich selbst in Empfang genommen haben, einen John Kerry lässt man halt nicht warten. Die Tür aus dem schönen Kirschbaumholz führt übrigens nicht zum Chef, sie führt, man sieht es an dem kleinen Schild links, zum WC.
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Neue Welt bei  René Obermann (Deutsche Telekom) . Auf dem Tisch ein iPad, ein Geschäftsbericht, in dem alle Fotos mit einem Smartphone gemacht wurden. Und an der Wand: Sound Cracker, ein Kunstwerk von Nam June Paik.
Neue Welt bei René Obermann (Deutsche Telekom). Auf dem Tisch ein iPad, ein Geschäftsbericht, in dem alle Fotos mit einem Smartphone gemacht wurden. Und an der Wand: Sound Cracker, ein Kunstwerk von Nam June Paik.
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Das Vorzimmer bei  Wer wird Millionär  in einem Vorort von Köln: Raufaser, Holzfurnier, Neonlicht - Fernsehen eben, viel Schein. Aber wenn dann später Scheine rüberwachsen, ist das ja egal. Und wenn nicht: Es gibt leckere Trauben.
Das Vorzimmer bei Wer wird Millionär in einem Vorort von Köln: Raufaser, Holzfurnier, Neonlicht - Fernsehen eben, viel Schein. Aber wenn dann später Scheine rüberwachsen, ist das ja egal. Und wenn nicht: Es gibt leckere Trauben.
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Andreas Gehrke und Lorenz Wagner stellten fest, dass auch in den Vorzimmern der Mächtigen dieses Landes der Wettbewerb hart und unerbittlich ist. Die größte Sorge von vielen, die wir angefragt haben bis hin zum Vorstandsvorsitzenden lautete: »Ja, können wir denn da mit den anderen mithalten?«

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