Das Beste aus aller WeltDas Nähe-Dilemma

Aus Heft 9/22

Lesezeit: 3 Min.

Illustration: Dirk Schmidt

In der Bahn beobachtet unser Kolumnist einen sehr gewissenhaften Putzmann mit Desinfektionsmittel, bei einem Bar-Abend bestaunt er gelöste Partygäste. Er fragt sich, wer von beiden nun Recht hat mit dem Blick aufs Corona und das Leben.

Von Axel Hacke

I

In den Tagen des großen Sturms musste ich von Mainz nach Mannheim fahren. Ich nahm die S-Bahn, der Intercity war ausgefallen. Mit meinem Koffer saß ich neben der Tür und beobachtete einen Mitarbeiter der Bahngesellschaft. Er wischte mit einem Lappen alle Haltestangen ab, dazu die Knöpfe, auf die man drückten musste, um eine Tür zu öffnen. Er wischte und wischte, langsam und sorgfältig, im ganzen Wagen wischte er, nichts ließ er aus. Ich sah nie, dass er ein Hygienemittel irgendwohin gesprüht hätte, nein, der Lappen schien seine einzige Waffe zu sein. Mir kam der Gedanke, ob er so nicht eher vorhandene Bazillen im Raum verteilte, als sie zu beseitigen.

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