Zeitumstellung:Die eine verflixte Stunde

Baby

Je kleiner die Kinder sind, desto schwerer tun sie sich oft, die Zeitumstellung zu verarbeiten.

(Foto: iStockphoto)

Viele Eltern fürchten die Zeitumstellung, denn Kindern ist es egal, wie die Zeiger der Uhr stehen. Wird ihr Rhythmus gestört, hat das Folgen für den Schlaf und die Laune. Wie Eltern dem Nachwuchs den Beginn der Winterzeit erleichtern können.

Von Christina Berndt

Es soll ja Leute geben, die sich auf die Zeitumstellung am kommenden Wochenende freuen. Eine Stunde länger schlafen? Wenn das kein Versprechen ist! Eltern dagegen fürchten sich jetzt schon. Denn Kindern ist es völlig egal, wie die Zeiger der Uhr stehen. Sie kommen am Sonntag einfach schon um fünf statt um sechs Uhr aus den Federn. Abends werden sie trotzdem nicht ins Bett zu kriegen sein. Und ab Montag geht dann das Gequengel los.

"Die eine Stunde Veränderung kann sich bei Kindern auf den gesamten Tagesablauf auswirken", sagt der Kinderarzt Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. "Gerade für Kinder sind stabile Schlaf-Wach-Rhythmen wesentlich für einen erholsamen Schlaf."

Wird der Rhythmus gestört, gibt es Probleme beim Einschlafen, beim Durchschlafen und natürlich auch mit der Müdigkeit am Tag. Die Folge ist Quengeln. Und je kleiner die Kinder sind, desto schwieriger wird es. Schließlich haben sich Babys gerade von ihrem Ich-schlaf-wann-ich-will-Müßiggang im Mutterleib an den Zwang eines erdrotationsbedingten und deshalb nicht abwendbaren Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Da ist eine Stunde Abweichung von den soeben verinnerlichten Regeln eine brutale Zwangsmaßnahme.

Immer wieder zeigen Umfragen, dass auch Erwachsene unter der Zeitumstellung leiden. Aber im Vergleich zu Kindern ist das nichts. Jedes zweite Kind unter drei Jahren, jedes dritte Kind zwischen vier und sechs und jedes vierte Schulkind wird nach der Zeitumstellung von Müdigkeit geplagt, hat eine Umfrage der Krankenkasse DAK vor ein paar Jahren ergeben. Für Eltern gilt deshalb: Alles wäre halb so schlimm, sogar das Ende des Sommers, wenn nicht wieder staatliche Stellen die familiäre Ordnung torpedieren würden. Drei Viertel der Deutschen wollen Umfragen zufolge die Zeitumstellung am liebsten abschaffen? Unter Eltern sind es bestimmt fast 100 Prozent.

"Wichtig ist es auch, die Mahlzeiten mit anzupassen"

Immerhin gibt's ein paar Tricks, die dabei helfen, den Nachwuchs in den Winterrhythmus zu befördern. Und mit denen fängt man am besten jetzt schon an. Es sei hilfreich, sich in Zehn-Minuten-Schritten an die Zielvorgaben vom kommenden Sonntag anzupassen, erklärt Hermann Josef Kahl vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Jeden Tag ein bisschen später ins Bett, dann kommt die Umstellung nicht mit voller Wucht. Dabei hilft es, abends möglichst viel und morgens möglichst wenig Licht ins Zimmer zu lassen.

"Wichtig ist es auch, die Mahlzeiten mit anzupassen", sagt der Chronobiologe Henrik Oster von der Universität Lübeck. Denn die Nahrungsaufnahme beeinflusst die "Uhren-Gene" im Körper, die für den Tag-Nacht-Rhythmus sorgen. Und wenn man am Samstag noch viel an der frischen Luft ist, ist ein langer Schlaf hoffentlich gesichert.

Etwas Tröstliches zum Schluss, wie es sich für gute Erziehung gehört: Es gibt wenigstens bisher keine Studien, die Langzeitschäden durch Zeitumstellung belegen, betont Oster. Nach einer Woche sind auch die meisten Kinder wieder eingetaktet. Außerdem ist die jetzige Zeitumstellung wegen der geschenkten Stunde ohnehin das kleinere Übel. Man kann also schon mal üben für den Stundenraub im Frühjahr.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB