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Zehn Jahre Wikipedia:Sag mir, wo die Freunde sind

Das Online-Lexikon Wikipedia wird zehn Jahre alt. Mit seinem Erfolg begann das Aussterben der klassischen Nachschlagewerke. Aber auch andere Dinge verschwinden aus unserem Alltag.

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FELDPOSTBRIEF AUS DEM 2. WELTKRIEG

Quelle: DPA/DPAWEB

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Das Online-Lexikon Wikipedia wird am 15. Januar zehn Jahre alt. Mit ihm hat das Aussterben der klassischen Nachschlagewerke begonnen. Aus unserem Alltag verschwindet aber noch viel mehr, ohne dass wir es bemerken. Ein Abschied von Dingen, die als unmodern gelten, uns aber immer treu waren.

Handschriftlicher Brief: In Zeiten des Internets liegt kaum noch persönliche Post im Briefkasten - fast nur noch Rechnungen und Werbebroschüren. Selbst die Liebe wird oft nur noch in SMS und E- Mails bekundet. Menschen des 19. Jahrhunderts würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, dass ihr geliebter seitenlanger Brief im 21. Jahrhundert vom Aussterben bedroht ist.

Chinesischer Tourist in Frankfurt

Quelle: dpa/dpaweb

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Postkarten: Früher war es Pflicht, aus dem Urlaub eine kitschige Ansichtskarte zu schicken. "Viele Grüße aus...", "Das Wetter ist schön und wir unternehmen viel..." - belanglose Zeilen dieser Art vermisst wohl niemand. Allerdings gibt es kaum jemanden, der sich nicht freut, wenn ein lieber Mensch ihm eine Karte schreibt, statt nur mit einer Handy-Nachricht oder via Facebook über eine Reise zu berichten.

In Himmlers 'Lebensborn'-Heimen sollte die 'Herrenrasse' gezuechtet werden

Quelle: dapd

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Papierfotos: Die vergilbten Kinderfotos aus den sechziger und siebziger Jahren, die Urlaubsfotos aus den Achtzigern (oder gar die Dias!) - früher konnte man Erinnerung in den Händen halten und betrachten. Etwa seit Mitte der Nullerjahre sind viele Reisen und private Ereignisse nur noch auf Chipkarten und in Computern gespeichert. Wehe den Babys, die 2010 geboren wurden - die Bilder ihrer Kindheit hängen am seidenen Faden einer Festplatte.

Bildungsmesse didacta

Quelle: ag.dpa

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Lexika und Wörterbücher: Wissen hatte früher ein paar hundert Seiten und passte zwischen zwei Buchdeckel. Die Vokabeln und das Allgemeinwissen gingen von A bis Z. Das Internet versorgt uns heutzutage stets mit neuem und aktualisiertem Wissen. Das Problem dabei: Auch ungeprüfte Nachrichten gelangen problemlos ins Web.

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Quelle: iStockphoto.com

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Die Diskette: 1981 brachte Sony die damals als Speicherriese gehandelte 3,5-Zoll-Floppydisk auf den Markt. Knapp 30 Jahre später meldete der japanische Konzern die Einstellung der Produktion: Seit der Digitalisierung von Bild und Ton ist die Diskette mit der Datenmenge hoffnungslos überfordert. So geht die gute alte Diskette von uns und macht endgültig Platz für die modernere Variante, den USB-Stick.

Jackson-Fans kaufen CD-Regale leer

Quelle: dpa

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Die CD: Am schlimmsten waren in den Neunzigern diese unförmigen CD-Ständer, die Platz wegnahmen und suggerierten, ein cooler Staubfänger zu sein, jedoch einfach nur ein Staubfänger waren. In Zeiten von iTunes und MP3 kaufen immer weniger Menschen physische Tonträger. Die Musik ist flüchtiger geworden und nimmt auch keinen Platz mehr weg in den Wohnungen. Ausgenommen vom Trend zur leeren Wohnung: Schallplatten-Fans.

Vorschau: Berlinale 2006

Quelle: ddp

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2D-Filme: Wenn die Kinowirtschaft nicht mehr weiter weiß, dann greift sie zu 3D. In den fünfziger und sechziger Jahren gab es eine 3D-Welle, um die Leute weg vom Fernseher zu Hause in die Lichtspielhäuser zu locken, in den Achtzigern waren dann Videorekorder der Grund. Zurzeit geht es darum, die Menschen weg von den Raubkopien und Computerspielen ins Kino zu bewegen. Diesmal scheint sich der Trend zu verstetigen. Doch schlechte Storys sind auch in 3D nicht gut.

"EIN HIMMLISCHER SÜNDER"

Quelle: OBS

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Festnetztelefonate: Immer mehr Menschen schaffen ihr Festnetztelefon ab, weil sie es neben dem Mobiltelefon zu teuer finden oder sowieso kaum daheim sind. Mancher fühlt sich von einem Anruf zu Hause mehr gestört als vom Handy, das durch seine Omnipräsenz einen weit größeren Eingriff in die Privatsphäre darstellt, aber notfalls auch lautlos gestellt oder ausgeschaltet werden kann. Ein lautes Festnetztelefon indes in der Wohnung schreckt oft mehr auf.

Lokalisten Fon - ein echter Freundschaftstarif

Quelle: obs

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Diskussionen: Früher gab es ausgiebige Debatten unter Freunden. Wie hieß nochmal der Laden in Paris mit den tollen Cocktails? Heute wird jedes aufkommende Gespräch weggegoogelt. Irgendjemand ist immer da, der sein Handy zückt und im Internet nachschaut. Keine Fachsimpeleien mehr, sondern mehr oder weniger gesicherte Fakten von Wikipedia. Alles wird geklärt, bevor die Unterhaltung anregend wird. Manchmal sitzen Menschen zusammen und starren lieber aufs Smartphone als Smalltalk zu betreiben. Die virtuelle Realität besiegt das echte Gegenüber.

Der Wecker im Handyzeitalter - überflüssig?

Quelle: dpa

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Wecker: Wo früher der Wecker stand, liegt heutzutage das Handy mit Weckfunktion. Ein eigenes Gerät braucht man für den Start in den Tag nicht mehr. Aus dem Tiefschlaf lässt man sich moderner reißen. Besser wird der unangenehme Vorgang dadurch aber nicht.

" Letzte Runde "

Quelle: DPA-SZ

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Echte Freunde: Das Wort "Freund" hat im Zeitalter sozialer Netzwerke eine schwächere Bedeutung bekommen. Freundschaft ist..., wenn man Kontakt miteinander aufnimmt. Ich klicke dich an, du klickst mich an. Kann man mehr als 150 Bekannte haben? Kritiker werfen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (neben datenschutzrechtlichen Problemen) vor, seine "süchtigen" etwa 500 Millionen Nutzer in der Welt eines unbekümmerten Harvard-Studenten gefangen zu halten. Ist das wirklich so? Jedenfalls sprechen die Angewohnheiten vieler Nutzer dafür: Sie laden möglichst nur "coole" Interessen und Bilder hoch, machen eindeutige Beziehungsangaben und wenig komplexe Statusangaben und pflegen vor allem die Unsitte, jeden einmal Gesehenen zum "Freund" zu verklären.

© sueddeutsche.de/dpa/schi/bre/lala/vs

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