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Zehn Jahre Viagra:Sex ist Kopfsache

20 bis 30 Prozent aller Männer und Frauen haben keine Lust. Ihnen kann Viagra allerdings nicht helfen, denn Sex entsteht im Kopf.

Hanno Charisius

Im Gehirn liegen die entscheidenden Nervenzentren, die sämtliche Signale von den Sensorzellen in der Haut und den Geschlechtsorganen verarbeiten. Nicht nur aus medizinischer Sicht sind diese Steuerzentralen der Lust interessante Angriffspunkte, ließe sich doch über sie sexuelles Verlangen regulieren.

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Wenn der Kopf nicht mitspielt, kann auch Viagra nicht die Flaute im Bett verhindern.

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Die Statistik sagt, dass 20 bis 30 Prozent aller Männer und Frauen keine Lust auf Sex haben. Bei ihnen richten auch Viagra und die anderen Tabletten nichts aus. Denn diese Mittel verstärken lediglich die Durchblutung des Penis, Verlangen machen sie nicht. Auf der Suche nach einem ungefährlichen Lustverstärker ist die Wissenschaft aber noch nicht fündig geworden.

Noch vor wenigen Jahren wurde Apomorphin, chemisch verwandt mit Opium, als Wundermittel gehandelt - und rasch wieder vom Markt genommen. "Es wirkte nur schwach und verursachte Übelkeit", sagt der Frankfurter Mediziner Folker Fichtel. Ein weiterer Kandidat ist die Substanz "pt-141".

Ursprünglich als Bräunungsmittel entwickelt, zeigte sie in Tests unerwartete Nebenwirkungen: Sie steigerte bei den Probanden das sexuelle Verlangen. Sie bringt auch weibliche Ratten dazu, sich an die Männchen ranzupirschen. Normalerweise verhalten sie sich passiv.

Doch solche omnipotenten Luststeigerer bergen große Risiken, warnt der Urologe Theodor Klotz vom Klinikum Weiden. "Man stelle sich vor, was passiert, wenn ein Triebtäter sagt, er habe so ein Mittel eingenommen." Noch dazu ist "pt-141" farb- und geruchlos. Eine solche Lustpille könne mehr Probleme bringen, als sie löst, sagt Klotz. Deshalb halte sich die Industrie in diesem Bereich auch zurück.

Anfang 2005 aber berichteten Mediziner von einem natürlichen Duftstoff, der auf Frauen nach den Wechseljahren ähnlich stimulierend wirkte wie "pt-141". Sie gaben älteren Frauen ein Parfüm, in das sie Schweiß junger Frauen gemischt hatten. Daraufhin hatten diese Probandinnen deutlich häufiger Sex als die Kontrollgruppe, die ein schweißloses Parfüm bekam. Welche der vielen Substanzen im Schweiß den Effekt verursacht hat, ist allerdings weiterhin völlig unbekannt.

© SZ vom 27.3.2008/mmk

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