Fotoalbum:"Man fand uns weird oder cool"

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Fotoalbum: Heiko und Roman Lochmann bei einer Party im Rahmen der 70. Berlinale.

Heiko und Roman Lochmann bei einer Party im Rahmen der 70. Berlinale.

(Foto: VISTAPRESS / Anni Schmitz /imago images)

Vor zehn Jahren wurden sie als "die Lochis" zu Kinderstars - inzwischen sind Heiko und Roman Lochmann ausgewachsene Popstars und nennen sich "HE/RO". Hier erzählen sie über ihre ADHS-Kindheit, den Fehler mit dem Privatjet und warum sie den Namen "Lochis" oft bereut haben.

Von Jan Stremmel

Die Zwillinge Heiko und Roman Lochmann wurden vor gut zehn Jahren berühmt. Die zwölfjährigen "Lochis" begeisterten mit ihren selbstgemachten Videos auf Youtube Millionen Kinder. Diverse Musikalben und einen Kinofilm später sind sie ausgewachsene Popstars, haben den alten Namen abgelegt und veröffentlichen in diesen Tagen ihr Debütalbum als "HE/RO". Während des Interviews am Telefon ist nie ganz klar, wer von beiden gerade spricht - ihre Stimmen klingen weiterhin absolut identisch. Netterweise sagen sie immer dazu, wer gerade spricht: "Ich, also Heiko, ..." Vollprofis eben.

Ferienzeit

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(Foto: Aus dem Buch "Willkommen Realität" (C.-Bertelsmann-Verlag, München))

Zelten in Bayern: Das war für uns immer der perfekte Familienurlaub. Hier sind wir am Forggensee im Allgäu. Unser Zelt stand direkt neben der Kuhweide, wir waren den ganzen Tag auf Entdeckungstour. Der mit dem Ball ist Heiko, er ist immer noch der bessere Fußballer von uns. Ansonsten konnten uns Fremde damals kaum auseinanderhalten - Brille trugen wir beide. Unsere Eltern haben uns viel erlaubt, auch riskantere Aktivitäten wie Klettern. Sie wollten, dass wir Selbstvertrauen entwickeln. Zwilling zu sein, hat da natürlich geholfen. Wir hatten immer jemanden, mit dem wir Dinge ausprobieren, an dem wir uns messen konnten: Wer kommt zuerst auf diesen Baum rauf? Diese leichte Rivalität hat uns vielleicht auch angespornt, ein bisschen ehrgeiziger zu sein als manche andere Kinder.

Bühnendrang

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(Foto: Aus dem Buch "Willkommen Realität" (C.-Bertelsmann-Verlag, München))

Hier singen wir vielleicht zum ersten Mal überhaupt vor Publikum! Beim Fischerfest in Gernsheim, im Umland von Darmstadt. Wenn wir das richtig in Erinnerung haben, gab's damals johlenden Applaus für unsere Karaoke-Version von "TNT". Einen gewissen Drang für die Bühne hatten wir irgendwie immer schon. Kein Wunder, dass wir schon mit zwölf Jahren Youtube für uns entdeckt haben. Aber Musik haben wir tatsächlich schon lange vor unserem Durchbruch dort gemacht. Mit Spielzeuginstrumenten und unter dem Bandnamen "HeiRo" traten wir in der Schule auf und haben im Kinderzimmer Kassetten aufgenommen. Roman hat 2009 sogar bei einem Gesangswettbewerb des ORF mitgemacht - und ihn gewonnen! Er war immer schon der Musikalischere.

Die Geburt der "Lochis"

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(Foto: Screenshot Youtube/ Die Lochis)

Wir schreiben den Sommer 2011, wir sind soeben zwölf Jahre alt geworden, unser Kater Tobi ist vor zwei Monaten gestorben - und es herrscht Ferienlangeweile. Es gibt keine Fußball-WM, und sogar Skateboardfahren verliert irgendwann seinen Reiz. Aber wir haben seit Kurzem einen eigenen Computer, an den wir täglich für eine Stunde dürfen. Und wir entdecken Youtube! Damals ist das noch eine ziemliche Nischenplattform mit wenigen deutschen Accounts, aber was damals ziemlich gut zieht, sind deutsche Parodien von bekannten amerikanischen Popsongs. Also packen wir uns die Kamera unserer Eltern und machen das auch. Bis Jahresende hatten wir fünf Videos online. Ein paar davon bekamen direkt 100 000 Klicks. Wir vermuten: Als Zwillinge auf dem Dorf boten wir einfach ziemlich viel Identifikationsfläche. Und natürlich haben wir total polarisiert - man fand uns entweder weird oder cool. Auf die glorreiche Idee, uns "Lochis" zu nennen, kam übrigens Heiko. Dabei nannte uns eigentlich nie jemand so. In unserem Dorf waren wir immer nur die berüchtigten "Lochmänner" mit ADHS, die nur einzeln auf Kindergeburtstage durften, weil sie so viel Energie hatten. Dieser leicht schlüpfrig klingende Name hat auf Youtube natürlich viel Spott auf sich gezogen - aber auch Aufmerksamkeit. Wir haben den Namen oft bereut und ihn ja auch vor mittlerweile drei Jahren abgelegt. Aber rückblickend würden wir ihn wieder so wählen. "Die Lochis" sind für uns Vergangenheit, aber eine sehr schöne.

Ruhm

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(Foto: Aus dem Buch "Willkommen Realität" (C.-Bertelsmann-Verlag, München)/Miss Germany Corporation)

Oft sagen uns Leute, wir hätten ihre Kindheit geprägt. Das fühlt sich immer seltsam an - denn irgendwie haben wir nie so gecheckt, welche Reichweite wir auf einmal hatten und welcher Hype sich um uns gebildet hat! Auf Fotos wie diesem ist das dann aber doch ziemlich greifbar. Unser erstes Album landete auf Platz eins der Charts. Auf der ersten großen Tournee spielten wir vor insgesamt 50 000 Fans, mit Band und Special Effects und allem. Trotzdem blieb für uns immer das Gefühl, wir müssten noch mehr geben als andere. Eine gewisse Angst, jederzeit alles verlieren zu können, begleitet uns im Grunde bis heute. Komplett absurd eigentlich. Wir erklären uns das damit, dass wir fast immer Probleme hatten, ernstgenommen zu werden. Auf Youtube waren wir anfangs die Küken, die mit ihrem Kinder-Content belächelt wurden. In der Musikszene wurden wir dann auch nicht ernst genommen. Wir waren schließlich nur die singenden Youtuber. Dabei war für uns die Musik der Ursprung von allem. Erst als wir angekündigt haben, Youtube aufzugeben und nur noch als "HE/RO" Musik zu machen, haben viele begonnen, uns als Musiker ernst zu nehmen.

Nestbau

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(Foto: Aus dem Buch "Willkommen Realität" (C.-Bertelsmann-Verlag, München))

Dieses Foto macht uns megastolz: Das ist der Zaun vor unserem Haus! 2019 haben wir es gekauft und umgebaut. Wir zwei wohnen da jetzt in einer WG, ein Stockwerk über unseren Eltern - und nur eine Viertelstunde von dem Dorf entfernt, in dem wir aufgewachsen sind. Wir wollten bewusst in der Region bleiben. Wir sind manchmal 300 Tage im Jahr unterwegs, da wissen wir etwas Ruhe zu schätzen und wollen unsere Leute um uns haben. Hier können wir absolut wir selbst sein. Und den Drang, von unseren Eltern wegzuziehen, hatten wir so richtig eigentlich nie. Zu Hause haben wir uns einfach immer am wohlsten gefühlt.

Größenwahn

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(Foto: Aus dem Buch "Willkommen Realität" (C.-Bertelsmann-Verlag, München))

Es ist ein Klischee, aber mit dem Ruhm kommen auch die Schattenseiten. 2017 mussten wir lernen, was passiert, wenn man als junge Künstler den falschen Menschen vertraut. Um es mal bildlich zu sagen: Eine Zeit lang fühlten wir uns wie blinde Passagiere in unserem eigenen Leben. Alles wurde immer mehr, immer größenwahnsinniger, immer teurer. Wir hatten Leute um uns herum, die sich ihren Traum auf unsere Kosten erfüllen wollten. Und so kam es dann zum Beispiel dazu, dass wir, wie hier auf dem Foto, für einen Auftritt von Fuerteventura nach Mallorca mit dem Privatjet flogen, weil ein Linienflug zwei Stunden mehr Zeit bedeutet hätte. Absolut verrückter Superstar-Shit. So etwas fühlt sich mit 17 natürlich toll an. Aber irgendwann merkten wir, dass wir nicht mehr wir selbst waren, und auch gar nicht mehr unseren eigenen Traum lebten. Wir beide hätten uns vor lauter Abgehobenheit auch fast auseinandergelebt. Zum Glück haben wir es noch rechtzeitig gemerkt. Damals setzten wir uns zusammen und zogen die Notbremse. Seitdem arbeiten wir nur noch mit einem sehr kleinen Team und haben den brüderlichen Zusammenhalt wiedergefunden. In unserem Buch heißt das entsprechende Kapitel ganz passend: "Never work with assholes".

Große Liebe

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(Foto: privat)

Eintracht gegen Fürth: Das hier war letztes Wochenende im Stadion mit unserem besten Freund. Um es mal klar zu sagen: Fußball ist die allerwichtigste Nebensache überhaupt für uns. Egal wie gut ein Konzert lief, wenn die Eintracht verloren hat, ist der Tag für uns gelaufen. Und wir lieben es, im Stadion zu stehen, zu viel zu rauchen, den Schiri anzumotzen... das ist so stumpf, dass es toll ist. Eintracht Frankfurt liegt bei uns in der Familie, unsere Eltern waren auch schon immer Fans. Fußball ist ganz anders als das Ego-Ding, das wir sonst so leben. Es ist ein Aufgehen im Gemeinschaftsgefühl.

Neuerfindung

Die Lochis Jugend Anfänge Fotoalbum Heiko Lochmann Roman Lochmann Album Teen Star Dilemma He/Ro  Lochis He/Ro
(Foto: Columbia Local)

Das neue Album heißt "Teen Star Dilemma", weil das gerade unsere Realität ist: Der Zwiespalt zwischen der Vergangenheit als Teenie-Stars und der Gegenwart als erwachsene Musiker. Aus der einen Schublade raus-, und in die andere reinzukommen, ist eine ordentliche Challenge. Wir werden auf der Straße natürlich immer noch als "die Lochis" erkannt, und nicht als HE/RO. Die Collage auf dem Cover beschreibt genau das - sie besteht aus Fotoschnipseln der vergangenen Jahre. Der Sound ist maximalistisch, abwechslungsreich und pop-rockig. Das Album sind zu hundert Prozent wir. Und darauf sind wir verdammt stolz.

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