World Music Awards in MonacoAlles wundervoll

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Bündelweise Trophäen, kein Skandal und der fairste aller Musikpreise: Wer die Kategorien der World Music Awards auswendig konnte, der bekam auch einen Award.

Charlotte Frank

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Es muss mindestens ein Grimaldi über den roten Teppich defilieren, die Glitzeratmosphäre Monte Carlos muss die Show einhüllen und die funkelnde Kulisse der Côte d'Azur das Spektakel untermalen. Nur so, das steht seit vergangenem Sonntag fest, funktioniert die Verleihung der World Music Awards. Nach drei Jahren ihres holprigen Herumvagabundierens durch Las Vegas, Los Angeles und London hat Fürst Albert II. die Show in diesem Herbst endlich wieder heimgeholt, nach Monaco, wo der Award 1989 als "fairster aller Musikpreise" ins Leben gerufen worden war. Er wird nicht auf Basis eines Juryurteils vergeben, sondern allein aufgrund der Verkaufserfolge der Künstler.

Und so schwappte am Sonntag eine bunte Welle musikalischen Mainstreams in den "Sporting Club" des Fürstentums, um mehr als zwei Dutzend "Best-Selling"-Preise unterschiedlichster Kategorien einzuheimsen und sehr oft "thank you" und "I love you" von der Bühne zu rufen. Fast sah es auf dem roten Teppich so aus, als hätte man einer der jüngsten Bravo- oder Popcorn-Ausgaben Leben eingehaucht: Da stapfte Punkrockerin Avril Lavigne in Doc Martens heran, fuhr sich durch die pinkfarbenen Haarsträhnen und flüsterte, wie "wonderful and nice" Monaco doch sei. R&B-Sängerin Ciara bedauerte, dass sie noch ein paar Alben verkaufen müsse, um in Monte Carlo kräftig shoppen zu können. Und Popstar Rihanna ("Umbrella"), im dunkelgrünen Dolce-and-Gabbana-Schlauch, zeigte sich überzeugt davon, dass Monaco "a good place for everything" sei.

Entsprechend so vielem Zuspruch verlief die Verleihung dann auch tatsächlich gut - jedenfalls insofern man "gut" als Abwesenheit größerer Pannen und Eklats versteht und nicht etwa als Bewertung der Moderation von Schauspieler Julian McMahon, dessen plumpe Auftritte eine Boulevardkollegin schon nach zehn Minuten zu der Frage verleitete, ob sie hier bei ,,der großen Peinlich-Show'' gelandet sei. Und ,,gut'' natürlich abzüglich der stockenden Nippes-Versteigerung zugunsten eines Hilfsprojektes in Darfur vor Beginn der Preisverleihung. Da wollte keiner so richtig mitbieten - eine Sparsamkeit, die ja irgendwie verständlich ist, wenn man pro Platz schon 3000 Euro auf den Tisch gelegt hat.

Massenhaft Monegassen

Aber zurück zum insgesamt glatten Ablauf der Show. Schließlich war man nach der Verleihung 2006, einer Verkettung von Peinlichkeiten, ja auf alles gefasst gewesen. Damals hatte Michael Jackson mit ebenso brüchiger Stimme wie Nase einen Comebackversuch panikartig abgebrochen, Tokio Hotel durften aus Zeitnot nicht auftreten, der Abend verlief tumultartig, die Show wurde vorzeitig beendet.

Nicht so dieses Jahr. Man hatte auf Nummer sicher gesetzt, auf Monaco, auf dessen sich selbst tragenden Glamour und auf einen Superstar der Kategorie "ganz brav": Céline Dion, eine Art Anti-Michael-Jackson, für den sich Hausfrauen wie Teenager gleichermaßen erwärmen können, bekam den Ehrenpreis "Legend Award" verliehen. Geradezu ergriffen nahm sie ihrem Laudator Fürst Albert die goldene Trophäe ab und schmetterte zum Dank die Ballade "Taking Chances". Und als wenig später der R&B-Sänger Akon preisgekrönt auf der Bühne tobte und sich das monegassische Publikum nicht mehr auf seinen Plätzen halten konnte, sah sich inmitten der wogenden Masse auch der Fürst zum Tanz gezwungen. Eingezwängt zwischen "Best selling Pop Female" Rihanna und, weiter hinten, Cascada-Sängerin Nathalie Horler ("Best selling German Artist") wollte das fürstliche Tanzbein allerdings nicht so recht in Schwung kommen - verlegen wackelte Albert II. vom linken auf den rechten Fuß und hielt sich krampfhaft an seinem Glas fest. Privat hört so einer offensichtlich kein R&B.

Nachdem sich Sänger Mika ("Relax, take it easy"), fesch in ein neongrünes Jackett gewandet, zum vierten Mal einen Preis abgeholt hatte (Best selling british artist, Best selling new artist, Best selling male entertainer, World's best selling pop rock male artist), Akon drei Mal die Bühne erklommen hatte (World's best selling R&B male artist, Best selling african artist, Best selling internet artist) und Avril Lavigne (World's best selling pop rock female artist, best selling canadian artist) zwei Mal oben gestanden hatte, war der Trophäenvorrat irgendwann erschöpft. Die wundervolle Patti Labelle verausgabte sich noch einmal mit Shaggys Unterstützung bei "Lady Marmelade", es regnete silberne Konfetti, die Bühne leerte sich. Unten stand goldglitzernd Award-Organisatorin Melissa Corken, strahlte, verteilte Küsschen und schwärmte, dies sei die ,,best show ever'' gewesen. Aber da dröhnte einem schon ein bisschen der Kopf vor lauter world's best und so. Man sehnte sich - zumindest einen kleinen - Tumult herbei. So wie bei Michael Jackson damals.

© SZ vom 7.11.2007 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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