Woody Allen:Trag sie noch einmal, Woody

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In "Harry außer sich", 1997 gedreht, war Allen dann weite Strecken des Films über unscharf zu sehen, was einerseits ein überraschender visueller Gag ist, zugleich aber zeigt, dass das Komische dem Komiker nach und nach aus dem Gesicht gewichen ist. Mit dem Alter denkt man bei Allen zunehmend an Jazz und Klarinette, Bergmann und Existenzialismus..

Ein wenig Abglanz des frühen Allen ist allerdings nun wieder zu sehen, steckt in der aktuellen Mode Hollywoods, dicke Brillen zu tragen. Jungschauspielerinnen wie Chloé Sevigny oder Scarlet Johannson (eine Allen-Muse!) tragen Nerd-Gestelle im Gesicht, die ihre ebenmäßige Schönheit ironisch umspielen. mehr als ein Modegag einer Saison, dessen Halbwertszeit bald überschritten sein dürfte, wird das wohl kaum sein. Die Langlebigkeit von Allens Stil, die grundsätzliche, selbstbewusste Ironie, ist damit nicht zu vergleichen.

Schade eigentlich, dass hinter der Brille nun Allens Gesicht altert, die Haare grau werden - und die Brille damit zunehmend ihre Kontrastwirkung verliert. Jüngst hat der Filmemacher für Timeimmerhin sehr trocken auf die Frage geantwortet, wieso er im Alter immer besser aussähe: "Ich habe sehr schlecht angefangen, da scheint alles eine Verbesserung zu sein." Das kann man so und so sehen.

Die Nerdbrillen sind zurück, "Vintage" heißt das Zauberwort. Auch wenn Ralph Lauren einst, für den "Stadtneurotiker" Kostüme und Brillen entwarf, ist der Clou für Woody Allen-Fans eine andere Marke. Unter www.moscot.com findet der stilbewusste Hornbrillenträger alles, was das Herz begehrt. Vor allem auch eine pure Allen-Hommage: "Zelig" heißt das Modell, dass nach einem Film des Regisseurs benannt wurde. In Deutschland kümmern sich Labels wie Mykita aus Berlin um die große Brille - ein passendes Gestell heißt hier allerdings nicht Woody, sondern "Walter".

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