"Wie ich euch sehe" zu Kontrolleurin:"Spart euch die Luft!"

"Wie ich euch sehe" zu Kontrolleurin: Wie ich euch sehe: Fahrkartenkontrolleurin

Wie ich euch sehe: Fahrkartenkontrolleurin

(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Ticket verschwunden, weggeworfen, mitgewaschen: Sie hat schon alle Ausreden gehört. Eine Kontrolleurin erzählt aus ihrem Alltag. Und warum sich Schwarzfahrer nicht zu rechtfertigen brauchen.

Protokoll: Violetta Simon

"Grüß Gott, die Fahrscheine bitte!" - Na, geht Ihnen das auch durch Mark und Bein? Jetzt heißt es Ruhe bewahren, selbst wenn Sie keinen Fahrschein haben. Denn selbst die schönste Ausrede ändert jetzt nichts mehr. Warum, das erklärt uns nun eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn. Marlene G. ist zuständig für die Aufsicht am Bahnsteig, aber auch für die Fahrkartenkontrolle in den Zügen.

Sie finden, Kontrolle nervt? Das sehe ich anders. Wenn ich ins Kino gehe, brauche ich ja auch ein Ticket. Und wenn ich es vergessen habe, kann ich nicht sagen, ich schaue mir erst mal den Film an und bringe es später vorbei.

Mir geht es nicht darum, gezielt Schwarzfahrer herauszupicken. Ich gehe immer davon aus, dass Fahrgäste ein gültiges Ticket haben, und das überprüfe ich. Dass jemand bewusst ohne Ticket fährt, ziehe ich nur in Betracht, wenn jemand unvermittelt aufs andere Ende des Abteils zusteuert oder versucht, sich an mir vorbeizudrücken.

Die Reaktionen auf mich sind unterschiedlich. Es gibt Tage, da sind alle nett, an anderen wirst Du vollgemault. Man muss einstecken können in meinem Job. Und freundlich bleiben. Die Fahrgäste ärgern sich - vor allem über sich selbst - und lassen ihren Frust an uns ab.

Ich versuche dann, sie zu besänftigen. Manche zahlen still und leise, andere werden aggressiv und beleidigend. Die meisten versuchen es mit Ausreden: "Ich habe mein Ticket vergessen, verloren, versehentlich weggeworfen, mitgewaschen. Es ist in der anderen Handtasche oder in der anderen Jacke."

Wissen Sie, was? Sparen Sie sich die Luft für solche Erklärungen. Kann ja sein, dass Ihre Fahrkarte zu Hause auf dem Küchentisch liegt. Der Punkt ist: Es ist unerheblich, warum Sie kein Ticket haben. Wichtig ist nur, dass Sie eines haben. Und zwar das richtige.

Nur ein bisschen schwarzfahren

Es wird nämlich nicht besser, wenn jemand nur einen Streifen abstempelt oder ein Kurzstrecken-Ticket kauft - und damit durch die halbe Stadt fährt. Wenn das egal wäre, würde selbst ich das versuchen. Mir hilft es auch wenig, wenn jemand beteuert, er sei nur eine Station gefahren. Oder mir auf dem Heimweg eine Streifenkarte zeigt, aber nicht abgestempelt hat. Da schaue ich dann als Erstes nach, ob das letzte Mal am Morgen gestempelt wurde. Oder vor drei Monaten.

Manche fahren im Tarifbereich 1-8, haben aber nur einen Fahrschein für den inneren Bereich 1-4 dabei. Da habe ich dann schon die Begründung gehört: "Ich fahre aber immer damit, und noch nie hat das jemand beanstandet!" Als würde es das besser machen - und nicht schlimmer. Wenn der Fahrgast es möchte, nehme ich mir dann gern die Zeit und erkläre ihm, welches Ticket er das nächste Mal dazu kaufen sollte.

Ich führe nämlich nicht nur Kontrollen durch, ich helfe den Leuten auch - gebe Auskunft, berate beim Umsteigen, kontrolliere Entwerter und Fahrkartenautomaten. An solchen Tagen trage ich dann meine Uniform. Und sollte etwas defekt sein, melde ich es, damit es so schnell wie möglich wieder funktioniert. Es wäre schön, wenn man das auch als Service wahrnimmt.

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